Russland reisen jetzt: Ist es sicher? Aktualisierter Guide für deine Reise 2026

Denkst du gerade darüber nach, jetzt nach Russland zu reisen, und bist dir nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, ob es sicher ist oder ob man mit dem Krieg in der Ukraine im Hintergrund überhaupt einreisen kann? Ich verstehe das vollkommen. Die kurze Antwort ist: Ja, man kann, und ja, für einen Touristen ist es sicher. Die lange Antwort ist dieser Guide, in dem ich dir alles erkläre, was du wissen musst, um deine Reise mit Ruhe und Überblick zu planen.

Ich reise seit Jahren nach Russland und habe dort Familie und Freunde, deshalb schreibe ich, was ich selbst sehe und was sie mir vor Ort erzählen, nicht das, was in den Schlagzeilen steht. Das Leben in Moskau, Sankt Petersburg, Kasan, Sotschi oder Wladiwostok geht seinen Gang: Menschen, die zur Arbeit gehen, volle Cafés, eine pünktlich funktionierende Metro und Touristen (Russen wie Ausländer), die durch die Museen laufen. Was sich tatsächlich geändert hat, ist die Logistik: wie man fliegt, wie man bezahlt, wie man ins Internet kommt und welchen Papierkram man braucht. Genau diesen Teil muss man aktualisieren, und den erkläre ich dir Schritt für Schritt.

Roter Platz in Moskau aus der Luft

Wenn du aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommst, ist dieser Guide für dich gemacht. Spoiler: Als deutscher, österreichischer oder Schweizer Staatsbürger kannst du das elektronische Visum (eVisum) ganz unkompliziert online beantragen. Wer aus einem Land kommt, das mit Russland ein visafreies Abkommen hat (zum Beispiel die meisten lateinamerikanischen Länder), braucht meist gar kein Visum für Aufenthalte bis zu 90 Tagen, muss aber einige Vorab-Schritte erledigen. Ich gehe alles weiter unten im Detail durch.

1. Kann man jetzt nach Russland reisen?

Ja, man kann jetzt ganz normal nach Russland reisen, trotz des Krieges und der internationalen Sanktionen. Die Konsulate stellen problemlos Visa aus (sowohl das elektronische als auch das reguläre), die touristischen Grenzen sind geöffnet und das Alltagsleben in den Großstädten läuft wie immer: geöffnete Hotels, volle Restaurants, Museen, in denen es nur noch wegen des Andrangs etwas langsamer vorangeht, ein tadellos funktionierender öffentlicher Nahverkehr und gut besuchte Märkte.

Das Bild ist allerdings nicht mehr ganz das von 2019. Was sich geändert hat, lässt sich in vier Punkten zusammenfassen:

  • Weniger westliche Touristen, du wirst an den bekannten Orten also weniger Deutsch oder Englisch hören. Der Eindruck ist eher angenehm: Die Schlangen sind kürzer und die Russen freuen sich aufrichtig, einen Reisenden aus dem Ausland zu treffen.
  • Es gibt keine Direktflüge aus Europa oder Amerika: Du musst über Istanbul, Belgrad, Eriwan, Dubai oder andere Hubs fliegen.
  • Ausländische Visa-, Mastercard- oder American-Express-Karten funktionieren in Russland nicht mehr. Du musst Bargeld mitnehmen oder dir vor Ort eine russische MIR-Karte besorgen.
  • Einige westliche Apps und Websites sind gesperrt (Facebook, Instagram, YouTube, X, WhatsApp), du brauchst also ein VPN, wenn du sie nutzen willst. Telegram funktioniert noch, trotz der Versuche, es zu blockieren.

Trotz allem reisen weiterhin viele Menschen: Reisende mit Familie oder Freunden in Russland, Transsibirien-Fans, Liebhaber von Ballett und Oper, Rucksacktouristen, Pilger, Geschäftsleute und immer mehr Touristen, die einfach Moskau und Sankt Petersburg sehen wollen, ohne den Andrang von früher. 2026 ist in den Großstädten ein klarer Anstieg westlicher Reisender zu spüren.

Roter Platz in Moskau mit Touristen

2. Ist Russland sicher oder ist es gefährlich?

Das ist die Frage, die mir am häufigsten per Mail gestellt wird, deshalb komme ich direkt zur Sache: Für einen Touristen, der aus touristischen Gründen reist und sich von den Grenzregionen zur Ukraine fernhält, ist das Risiko sehr gering. Das Leben in Moskau, Sankt Petersburg, Kasan, Sotschi, Jekaterinburg, Wladiwostok oder einer der Städte auf der klassischen Touristenroute läuft völlig normal weiter.

Ja, der Krieg geht weiter, auch wenn Friedensgespräche begonnen haben, und es gibt Grenzregionen wie Kursk, Belgorod, Brjansk oder Rostow, in denen es regelmäßig Angriffe gibt. Auch in Moskau gab es vereinzelte Vorfälle mit Drohnen, das sind aber Ausnahmen, die den Alltag der Stadt nicht prägen. Meine Freunde, die dort leben, gehen ganz normal ihrer Routine nach: Arbeit, Schule, Metro, Restaurants, Wochenendpläne. Wenn ein Flughafen wegen eines Vorfalls für ein paar Stunden schließt, erlebst du das wie irgendeine andere Nachricht und nicht wie etwas, das dich in deiner eigenen Straße trifft.

Es stimmt, dass viele Außenministerien davon abraten, nach Russland zu reisen. In der Praxis ist diese Empfehlung eher als politische Haltung und konsularische Schutzmaßnahme zu verstehen (die westlichen Botschaften haben weniger Personal und Hilfsmöglichkeiten) und weniger als Warnung, die auf realen Risiken für Touristen beruht. Lies sie dir durch, schließ eine gute Versicherung ab, reise mit Verstand – aber lass sie nicht zum Reiseverbot werden.

2.1 Das Thema „willkürliche Verhaftungen“

Du hast in der Presse sicher Berichte über Ausländer gelesen, die in Russland wegen angeblicher Spionage oder Kritik an der Armee verhaftet wurden. Die übergroße Mehrheit dieser Fälle betrifft Personen mit sensiblem Profil: Journalisten, Aktivisten, Doppelstaatler, die im Ausland leben, Menschen mit beruflichen Verbindungen zu Geheimdiensten oder mit öffentlichen, klar gegen den Kreml gerichteten Veröffentlichungen. Für einen Touristen, der mit gültigem Visum, Rückflugticket, Hotelreservierung und einem klar touristischen Profil einreist, ist das nicht die Regel.

Ein paar vernünftige Vorsichtsmaßnahmen sind trotzdem sinnvoll – dieselben, die jede umsichtige Person in einem Land mit politischen Spannungen treffen würde:

  • Halte dich von Demonstrationen, Protesten oder politischen Versammlungen fern, auch wenn sie friedlich wirken.
  • Poste während deines Aufenthalts keine Inhalte in sozialen Netzwerken, die das russische Militär oder den Krieg kritisieren. Das russische Gesetz ahndet das auch bei Ausländern.
  • Wenn dich jemand auf den Krieg anspricht, antworte höflich und ohne dich auf eine Diskussion einzulassen. Die meisten Russen reden über dieses Thema lieber nicht mit Fremden.
  • Schau dir vor der Reise deine Telegram-Abos an: Es gibt Kanäle der russischen Opposition oder unabhängiger Medien, die in Russland als „extremistisch“ eingestuft sind. Auch wenn du sie nur aus journalistischer Neugier abonniert hast, kann das problematisch werden.

2.2 Wird dein Handy an der Grenze kontrolliert?

Die Idee, mit der ich dich gehen lassen will, ist diese: Russland ist für Touristen ein ruhiges Land. Die Straßen von Moskau oder Sankt Petersburg sind sicherer als die vieler europäischer Hauptstädte, die Russen sind warmherzig, sobald das Eis gebrochen ist, und das allgemeine Gefühl in jeder touristisch relevanten Stadt ist das eines normalen Ortes, mit seinen Routinen und seinen Menschen.

Seit Juli 2025 darf der russische Grenzschutz beim Ein- und Ausreisen elektronische Geräte überprüfen, aber in der Praxis sind die Kontrollen sehr selektiv. Für einen europäischen Touristen mit gültigem Visum, Rückflugticket und Hotelreservierung ist die Handykontrolle die Ausnahme, nicht die Regel. Wenn dich die rechtlichen Details und die Frage interessieren, wer typischerweise kontrolliert wird, erkläre ich das im Artikel über die Handykontrolle bei der Einreise nach Russland.

3. Visum: eVisum, reguläres Visum oder visumfrei

Das Erste, was du klären musst, ist, ob du ein Visum brauchst und – wenn ja – welche Variante zu dir passt. Wenn du dir einen schnellen Überblick verschaffen willst, bevor du ins Detail gehst, lies meinen kurzen Guide dazu, ob du ein Visum für die Reise nach Russland brauchst. Hier fasse ich es nach Staatsangehörigkeit und Reiseplan zusammen.

3.1 Elektronisches Visum (eVisum): die schnelle und günstige Option

Das russische eVisum ist für die meisten Reisenden die bequemste Option. Es erlaubt einen Aufenthalt von bis zu 30 Tagen, eine einmalige Einreise, und du beantragst es online, ohne ein Konsulat zu betreten. Es steht für mehr als 50 Länder zur Verfügung, darunter die gesamte Europäische Union, die Schweiz und viele asiatische Staaten.

  • Wo beantragen: auf der offiziellen russischen eVisum-Website, mit einem Online-Formular und dem Hochladen von Reisepass und Foto.
  • Ungefährer Preis: rund 52 USD (variiert leicht je nach Antragsland).
  • Bearbeitungszeit: die Antwort kommt nach etwa 4 Werktagen.
  • Gültigkeit: Nach der Genehmigung hast du 120 Tage Zeit für die Einreise und ab Einreise bis zu 30 Tage Aufenthalt.
  • Pflicht-Reiseversicherung: Du musst nachweisen, dass du eine Police mit Russland-Deckung hast. Wie du eine bekommst, erkläre ich weiter unten.

Das eVisum deckt 95 % der typischen Reiseplanungen ab: zwei Wochen zwischen Moskau und Sankt Petersburg, ein kurzer Trip, um die Eremitage oder den Kreml zu sehen, eine Reise nach Sotschi oder Kasan. Wenn du den Antrag in Ruhe vorbereiten und gängige Fehler vermeiden willst, schau dir den Guide zu den häufigsten Fehlern beim eVisum-Antrag an.

Einschränkungen, die du kennen solltest: Das eVisum gilt nicht für die Einreise über den Grenzübergang Storskog (Norwegen–Russland), erlaubt nicht die Nutzung des einheitlichen Visa-Abkommens Russland–Belarus und wird nicht an allen Landgrenzen akzeptiert. Wenn du mit dem Auto aus Estland, Lettland, Georgien oder Kaliningrad einreisen willst, akzeptieren die meisten touristischen Übergänge das eVisum, aber prüfe das vor dem Ticketkauf in der offiziellen Liste.

Wenn du dich nicht selbst durchs Formular kämpfen willst, sondern den Antrag jemandem überlassen möchtest, der das täglich macht, kannst du das über einen spezialisierten eVisum-Antragsservice erledigen lassen.

3.2 Reguläres Visum (Konsulat oder Visumzentrum)

Du brauchst das klassische reguläre Visum, wenn:

  • dein Aufenthalt länger als 30 Tage dauert.
  • du mehrfache Einreisen brauchst (zum Beispiel eine Kombi-Reise Russland–Belarus–Russland).
  • du aus einem Land kommst, das nicht für das eVisum freigeschaltet ist (USA, Kanada, Vereinigtes Königreich, Australien und einige andere).
  • du über Storskog (Norwegen) oder einen anderen Landgrenzübergang einreist, der nur konsularische Visa akzeptiert.

Das reguläre Visum beantragst du im russischen Visumzentrum deines Landes oder im Konsulat. Du brauchst einen gültigen Reisepass, zwei Passfotos, das ausgefüllte Konsular-Formular, eine Reisekrankenversicherung mit Russland-Deckung und ein Einladungsschreiben. Das Einladungsschreiben bekommst du online in wenigen Minuten und brauchst dafür keinen echten Gastgeber: Es wird von Agenturen ausgestellt, die von der russischen Regierung akkreditiert sind.

Richtpreise in Deutschland (inklusive Konsulargebühr und Bearbeitung im Visumzentrum, im normalen Verfahren; können leicht variieren, Stand heute):

  • Visum mit einfacher Einreise: rund 112 €
  • Visum mit doppelter Einreise: rund 158 €
  • Visum mit mehrfachen Einreisen: rund 266 €

Die Eilbearbeitung (2–3 Tage statt 2 Wochen) kostet mehr. Die Beträge unterscheiden sich von Land zu Land deutlich, weil jedes russische Konsulat seine Gebühren nach bilateralen Abkommen anpasst. Am besten prüfst du die Website des für dich zuständigen Visumzentrums. Hier findest du die komplette Liste der russischen Botschaften, Konsulate und Visumzentren weltweit.

3.3 Visumfrei: Bürger einiger Drittländer

Eine gute Nachricht für viele Reisende: Eine Reihe von Ländern hat ein Abkommen zur Visumbefreiung mit Russland und kann bis zu 90 Tage in einem 180-Tage-Zeitraum visumfrei einreisen. Dazu gehören unter anderem Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Kuba, Ecuador, Peru und Venezuela, aber auch einige Staaten Asiens und der GUS. Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lebt, aber einen dieser Pässe besitzt, kann diese Regelung nutzen.

Kein Visum zu brauchen heißt nicht, dass du ohne Papierkram ankommst: Seit Juni 2025 müssen sich alle Reisenden, die ohne Visum nach Russland einreisen, vorher in der offiziellen App RuID registrieren, dort ihre persönlichen Daten und ein Live-Foto hochladen und die Einreise mindestens 72 Stunden vor Reiseantritt freischalten lassen. Die Genehmigung ist kostenlos und läuft komplett übers Smartphone, muss aber sauber gemacht werden. Das System ist allerdings noch in der Testphase. Schritt für Schritt erkläre ich das im Guide zur elektronischen Reisegenehmigung für Russland und der RuID-App (sobald der Artikel auf Deutsch verfügbar ist).

Und auch wenn du kein Visum brauchst, brauchst du eine Reisekrankenversicherung für alle Eventualitäten. Die russische Gesundheitsversorgung kann für Ausländer ohne Versicherung schnell teuer werden.

3.4 Einheitliches Visum Russland–Belarus

Seit Januar 2025 haben Russland und Belarus ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Visa unterzeichnet: Mit einem regulären russischen Visum (nicht dem eVisum) kannst du auch nach Belarus einreisen, und umgekehrt. Das eröffnet sehr interessante Kombinationen: zum Beispiel nach Moskau fliegen, mit dem Zug nach Minsk, zurück nach Moskau und von dort heimfliegen. Reguläre Züge und Landgrenzen sind in Betrieb.

Einheitliches Visum Grenze Russland-Belarus

4. Wie kommst du nach Russland: Flüge und Landgrenzen

Bevor du an das Visum denkst, solltest du die Logistik der Einreise klar haben. Es gibt drei Hauptwege: Flugzeug mit Zwischenstopp, Landgrenze und – früher – Kreuzfahrten (die aktuell nicht verkehren). Einen Überblick gibt der Guide zu den Grenzen Russlands, hier fasse ich das Wesentliche zusammen.

4.1 Per Flugzeug: Hubs mit Zwischenstopp

Seit 2022 dürfen europäische und russische Fluggesellschaften den jeweiligen Luftraum nicht mehr durchfliegen. Das heißt: Aus Deutschland, Österreich, der Schweiz oder einem anderen europäischen oder amerikanischen Land gibt es keine Direktflüge nach Russland: Du musst über ein Land umsteigen, das Flugverbindungen nach Moskau aufrechterhält. Die meistgenutzten Hubs sind:

  • Istanbul (Türkei): der praktischste Hub aus Deutschland. Turkish Airlines und Pegasus verbinden mit Moskau (Scheremetjewo, Wnukowo, Domodedowo), Sankt Petersburg (Pulkowo) und anderen russischen Städten. Aus Frankfurt, München oder Wien lohnt es sich oft, einen günstigen Flug nach Istanbul mit einem Anschlussflug Istanbul–Moskau zu kombinieren.
  • Belgrad (Serbien): Air Serbia hält mehrmals pro Woche Direktflüge nach Moskau aufrecht.
  • Eriwan (Armenien): ein viel genutzter Hub von Aeroflot und FlyOne, mit vielen täglichen Frequenzen nach Moskau und Sankt Petersburg.
  • Dubai oder Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate): Emirates, Etihad und flydubai bedienen reguläre Strecken.
  • Doha (Katar), Baku (Aserbaidschan), Taschkent (Usbekistan): Alternativen mit weniger Frequenzen, manchmal aber zu guten Preisen.

Die für internationale Flüge geöffneten russischen Flughäfen sind Moskau-Scheremetjewo (SVO), Moskau-Wnukowo (VKO), Moskau-Domodedowo (DME), Sankt Petersburg-Pulkowo (LED), Sotschi (AER), Kasan (KZN) und einige weitere in touristisch relevanten Regionen.

Das Problem mit den Flügen ist nicht, sie zu finden, sondern sie zu bezahlen: Viele westliche Suchmaschinen zeigen die Routen nach Russland nicht mehr an, und die offiziellen Websites russischer Fluggesellschaften akzeptieren keine ausländischen Karten. Am praktischsten ist es, deinen Flug nach Russland mit ausländischer Karte über einen Vermittler zu buchen, der Visa oder Mastercard aus dem Ausland akzeptiert.

Günstige Flüge nach Moskau

4.2 Per Land: die geöffneten Grenzen

Die Landgrenze nach Russland zu nutzen wird von europäischen Reisenden immer beliebter, die beim Flug sparen oder ohnehin eine Route durch den Norden machen. Das sind die 2026 funktionierenden Landübergänge:

  • Estland: drei geöffnete Übergänge (Narva, Koidula und Luhamaa). Das ist die meistgenutzte Route nach Sankt Petersburg. Narva ist seit Februar 2024 für Fahrzeuge gesperrt (nur Fußgänger); Koidula und Luhamaa sind für Autos offen.
  • Lettland: vor allem mit Direktbussen Riga–Sankt Petersburg bedient, eine der günstigsten Möglichkeiten zur Einreise.
  • Litauen und Polen (nach Kaliningrad): Die russische Exklave Kaliningrad erreichst du auf dem Landweg aus Polen oder Litauen, und vom dortigen Flughafen gibt es tägliche Flüge nach Moskau und Sankt Petersburg. Eine Variante für Reisende mit knappem Budget.
  • Norwegen (Storskog): einziger Schengen-Übergang nach Russland in Skandinavien. Du brauchst ein Konsular-Visum auf Papier: Das eVisum funktioniert hier NICHT. Praktisch für Reisen nach Murmansk und in die russische Arktis.
  • Georgien (Upper Lars): die Grenze zum Kaukasus. Sie ist offen, aber unberechenbar (kann im Winter wegen Schnee schließen), prüfe das also kurz vor der Reise.
  • Finnland: seit Dezember 2023 unbefristet geschlossen. Wenn du in Helsinki bist und einreisen willst, ist ein günstiger Flug oder Bus nach Tallinn und die Einreise über Estland am praktischsten.
  • Belarus: jetzt auch eine Option für Ausländer, dank des im Januar 2025 unterzeichneten einheitlichen Visums Russland–Belarus.

Die Wartezeiten an der Grenze hängen stark vom Übergang, der Jahreszeit und der Uhrzeit ab. Die offiziellen Websites aktualisieren langsam; in Echtzeit funktionieren Telegram-Gruppen mit Reisenden, die täglich die Grenze überqueren, am besten. Dort schreiben Leute, die gerade in der Schlange stehen, wie lange es noch dauert.

Grenzübergang Upper Lars Georgien-Russland

Wenn du mit eigenem Fahrzeug einreist (Auto, Motorrad oder Wohnmobil), interessieren dich diese Artikel: das Visum für die Einreise mit Fahrzeug und die obligatorische OSAGO-Versicherung für ausländische Autos.

4.3 Kreuzfahrten und Fähren: aktuell außer Betrieb

Früher gab es eine sehr attraktive Option: Sankt Petersburg per Kreuzfahrt 72 Stunden lang ohne Visum besuchen, wenn man an einer organisierten Tour teilnahm. Die großen Ostsee-Reedereien nehmen Sankt Petersburg nicht mehr in ihre Routen auf, und die internationalen Fähren sind eingestellt.

5. Was bei der Ankunft passiert: Flughafen, Zoll und Registrierung

Wenn du aussteigst, warten ein paar mehr oder weniger routinemäßige Schritte auf dich. Ich fasse sie der Reihe nach zusammen, damit du entspannt einreist; alle Details findest du im Guide zur Ankunft am Flughafen in Russland Schritt für Schritt.

5.1 Passkontrolle und Migrationskarte

Nach der Passkontrolle bekommst du die Migrationskarte ausgehändigt oder sie wird für dich gedruckt. Das ist ein kleines Papier (zunehmend digital), auf dem deine Daten, Ein- und Ausreisedatum und der Reisezweck stehen. Verliere sie nicht: Sie wird beim Hotel-Check-in, bei der Ausländerregistrierung und bei der Ausreise verlangt. Bei Verlust musst du in einer Migrationsbehörde ein Duplikat beantragen.

Die Passkontrolle selbst ist Routine. Wahrscheinlich werden dir ein paar einfache Fragen gestellt (Reisezweck, Unterkunft, Aufenthaltsdauer). Antworte ruhig und knapp. Wer ein gültiges Visum hat, wird kaum jemals abgewiesen.

Passkontrolle in Russland

5.2 Biometrische Kontrolle und digitales Profil

Seit Dezember 2024 baut Russland ein digitales Pflichtprofil für Ausländer auf, das persönliche Daten, Gesichtsbild und Fingerabdrücke kombiniert. Ziel ist eine modernere und zentralisierte Migrationskontrolle. In der Praxis heißt das:

  • Wenn du an den Moskauer Flughäfen (Scheremetjewo, Domodedowo, Wnukowo, Schukowski) oder am Landübergang Maschtakowo (mit Kasachstan) einreist, werden dir Foto und Fingerabdrücke an der Grenze abgenommen.
  • Wenn du aus einem Land kommst, das kein Visum braucht, musst du dich vorab in der RuID-App registrieren und dein digitales Profil entsteht vor der Reise.
  • Mit eVisum oder konsularischem Papiervisum brauchst du keine Vorab-Registrierung (deine Daten gingen schon mit dem Visumantrag ein), aber bei der Ankunft können erneut Foto und Fingerabdrücke genommen werden.

Lass dich vom Namen nicht abschrecken: Das ähnelt dem europäischen EES oder dem US-VISIT der USA, die seit Jahren laufen. An der Grenze dauert das ein paar Minuten extra; nach der ersten Erfassung beschleunigt es spätere Einreisen.

5.3 Zoll: Bargeld und was du im Gepäck haben darfst

Das Schlüsselthema beim Zoll ist Bargeld. Du darfst pro Person bis zu 10.000 US-Dollar (oder den Gegenwert in einer anderen Währung) ohne Anmeldung nach Russland einführen. Bei mehr musst du den Betrag bei der Einreise am Zoll deklarieren.

Achtung bei der Einreise über Estland: Das Problem ist dann nicht der russische Zoll, sondern die Ausreise aus der EU. Estland beschlagnahmt Euro-Banknoten in jeder Höhe (auch schwedische, dänische und tschechische Kronen, polnische Zloty, ungarische Forint, rumänische Lei und bulgarische Lewa). Der US-Dollar ist an allen Grenzen erlaubt; wenn du also viel Bargeld dabei hast und auf dem Landweg einreist, tausche es vorher in Rubel oder Dollar oder reise per Flugzeug oder über Kaliningrad ein. Mehr dazu hier: Zoll in Russland – was du mitnehmen darfst und was nicht.

5.4 Ausländerregistrierung in der Unterkunft

Die Ausländerregistrierung ist Pflicht, wenn du länger als 7 Tage in derselben Region bleibst. In Hotels und Hostels läuft das beim Check-in automatisch: Du gibst Pass und Migrationskarte ab und bekommst einen Stempel oder einen kleinen Zettel zurück. In privaten Apartments muss sich der Vermieter darum kümmern (manche wissen nicht, wie es geht, oder wollen nicht).

6. Reisekrankenversicherung: Pflichtbestandteil

Für jedes russische Visum, ob eVisum oder regulär, musst du nachweisen, dass du eine Krankenversicherung mit Russland-Deckung hast. An diesem Punkt herrscht die meiste Verwirrung, deshalb mache ich es hier ein für alle Mal klar:

  • Westliche Versicherer (Allianz, AXA, ADAC, ERGO, HanseMerkur …) decken Russland nicht mehr ab, auch wenn sie eine „weltweite“ Deckung anbieten. Die Wirtschaftssanktionen verhindern das, ob im Kleingedruckten erwähnt oder nicht. Wenn dir mit einer dieser Policen in Russland etwas passiert, kann deine Versicherung das russische Krankenhaus weder bezahlen noch dir das Geld zurückerstatten.
  • Die Lösung sind russische Versicherer: Einige haben sich an die Lage angepasst und akzeptieren Zahlungen mit Visa, Mastercard oder American Express aus dem Ausland. Sie erfüllen die konsularischen Anforderungen, schicken dir die Police binnen Minuten als PDF und sind sowohl für das eVisum als auch für das reguläre Visum gültig.

Wie der Abschluss funktioniert und welche Mindestdeckung das Konsulat verlangt, erkläre ich auf der Seite zur Reisekrankenversicherung für Russland. Wenn du Optionen vergleichen willst (Jahres- vs. Tagespolice, verschiedene Anbieter), gibt es einen eigenen Artikel über die besten Reiseversicherungen für Russland.

Reiseversicherung für Russland abschließen

Und auch wenn du visumfrei reist, brauchst du eine Versicherung. Das russische öffentliche Gesundheitssystem ist für Ausländer kostenpflichtig, und ein medizinischer Notfall ohne Deckung kann sehr teuer werden. Die Vorschriften verlangen die Krankenversicherung für bestimmte Nationalitäten, ich empfehle aber generell, eine abzuschließen.

7. Einladungsschreiben: nur fürs reguläre Visum

Für das reguläre Visum brauchst du ein Einladungsschreiben. Das ist ein Dokument (zunehmend elektronisch), das von einer vom russischen Außenministerium akkreditierten Agentur ausgestellt wird und deinen Namen, die Reisedaten und den Reisezweck enthält.

Du brauchst keinen echten Gastgeber in Russland und niemand muss dich konkret einladen: Akkreditierte Agenturen erstellen das Schreiben in wenigen Stunden online, schicken es dir als PDF, und du legst es im Konsulat zusammen mit den anderen Unterlagen vor. Den Ablauf, die Preise und Empfehlungen findest du auf der Seite zum Einladungsschreiben für Russland.

Wichtig: Das eVisum braucht kein Einladungsschreiben. Es ist nur fürs reguläre Visum nötig. Mit dem eVisum reichen Versicherung und Reisepass.

8. Geld, Zahlungen und Karten: wie es in der Praxis funktioniert

Das ist der Block, der dich vor der Reise am meisten Schlaf kostet – und in Wirklichkeit der, der sich am schnellsten löst, sobald du das System verstanden hast. Die Kurzfassung: Deine ausländische Karte funktioniert nicht, und es gibt drei sinnvolle Wege, an Geld in Russland zu kommen. Ausführlich behandle ich das im Guide dazu, wie man in Russland bezahlt.

8.1 Warum westliche Karten nicht funktionieren

Seit März 2022 haben Visa und Mastercard ihren Betrieb in Russland eingestellt. Das heißt: Eine außerhalb Russlands ausgegebene Visa- oder Mastercard funktioniert weder an Kartenlesegeräten noch an Geldautomaten im Land, egal welche Bank sie ausgegeben hat. Dasselbe gilt für American Express. Chinesische UnionPay-Karten funktionieren in einigen wenigen Geldautomaten und Geschäften, aber nicht überall – also keine zuverlässige Lösung.

Bankkarte für Ausländer in Russland

8.2 Die drei Optionen, die funktionieren

Das sind die Möglichkeiten:

  1. Bargeld in Euro oder Dollar mitnehmen und in Russland in Rubel tauschen. Die einfachste Option. Du darfst bis zu 10.000 USD (oder den Gegenwert) ohne Anmeldung einführen. Vor Ort bieten Wechselstuben in der Stadt einen besseren Kurs als Flughäfen oder Großbanken. Bring Scheine in gutem Zustand mit, ohne Markierungen oder Risse, sonst kann es Schwierigkeiten geben. Wo und wie du tauschst, erkläre ich im Guide Euro oder Dollar in Rubel umtauschen; wer Rubel schon vor der Reise möchte, findet hier den Guide zum Rubel-Kauf außerhalb Russlands.
  2. Vor Ort eine russische MIR-Karte beantragen. Die MIR-Karte ist das russische Äquivalent zu Visa oder Mastercard, funktioniert an allen Kartenlesegeräten und Geldautomaten im Land, und Ausländer können sie bekommen. Den ganzen Ablauf erkläre ich im Artikel zur MIR-Karte für Ausländer in Russland.
  3. Geld vor der Reise senden. Es gibt Dienste, mit denen du Geld auf ein russisches Konto oder einen Zahlungs-Alias überweisen, in einer Filiale in bar abholen oder vor Ort auf eine MIR-Karte laden kannst. Funktioniert mit oder ohne Kontakte vor Ort. Hier der Guide zum Geldsenden nach Russland 2026 mit den Optionen, die heute funktionieren.

Wenn du tiefer in einzelne Methoden einsteigen willst, gibt es eigene Artikel über das Geldsenden mit Kryptowährungen oder über die Geldüberweisung mit SendNow.

8.3 Was kostet das Leben in Russland?

Trotz starker Schwankungen des Rubels ist Russland insgesamt günstiger als Deutschland, Österreich oder die Schweiz. Der Kurs liegt zuletzt bei rund 90 Rubel pro Euro, prüfe ihn aber kurz vor der Reise. Ein paar Richtpreise:

  • Hostel: ab 600–1.000 Rubel pro Bett im Mehrbettzimmer.
  • Hotel: ein ordentliches Einzelzimmer ab 4.500 Rubel.
  • Essen im lokalen Restaurant: Hauptgericht zwischen 400 und 600 Rubel.
  • Mittel- bis hochpreisiges Restaurant: Gerichte zwischen 1.000 und 1.500 Rubel.
  • Kurze Taxifahrt: 300–600 Rubel.
  • Metro Moskau oder Sankt Petersburg: rund 75 Rubel pro Fahrt.
  • Nachtzug dritte Klasse (Platzkart): ab 2.500 Rubel.
  • Nachtzug Kupé (Vierbettabteil): ab 4.000 Rubel.

9. Internet, Mobilfunk und soziale Netzwerke

Internet in Russland zu haben, ist etwas aufwendiger geworden, aber es gibt eine Lösung. Hier das Wichtigste in Kürze.

9.1 Die russische SIM: für Touristen kompliziert

Früher war es ganz einfach: Du gingst in einen MTS-, MegaFon- oder Beeline-Shop, zeigtest deinen Pass und kamst mit einer aktiven SIM raus. Seit 2025 hat sich das geändert: Alle Mobilfunkanschlüsse müssen mit einem Gosuslugi-Konto (dem zentralen russischen Behördenportal) und einer SNILS-Nummer (vergleichbar mit der Sozialversicherung) verknüpft sein. Für Touristen ist es deshalb in der Praxis schwierig, eine lokale russische SIM zu bekommen, außer über lange bürokratische Schritte oder über einen russischen Freund, der dir eine überlässt.

9.2 Die internationale eSIM: die praktischste Lösung

Was ich allen empfehle: vor der Abreise eine internationale eSIM mit Russland-Abdeckung abschließen. Du aktivierst sie in wenigen Minuten auf dem Handy, hast Daten ab der Landung und bist auf keinen russischen Behördenschritt angewiesen.

Aber Achtung: Seit Oktober 2025 wendet die russische Regierung Beschränkungen auf ausländische SIMs und eSIMs an, die im Prinzip 24 Stunden nach der Ankunft gelten. Die Anbieter schicken dir aber meist direkt nach der Einreise einen Link per SMS, mit dem du die Beschränkung aufheben kannst. Mehr Details findest du im Artikel über die neuen Mobilfunkbeschränkungen in Russland.

eSIM für Russland ohne 24-Stunden-Sperre

9.3 VPN: vor der Abreise installieren

Facebook, WhatsApp, Instagram, X (Twitter) und YouTube sind in Russland gesperrt. Telegram funktioniert noch, auch wenn es immer wieder Sperrversuche gibt. Wenn du auf ein westliches soziales Netzwerk zugreifen willst, brauchst du ein VPN. Dasselbe gilt, wenn du westliche Medien lesen oder Netflix mit deinem normalen Konto schauen willst.

Wichtiger Tipp: Lade und installiere das VPN, bevor du in Russland landest. Vor Ort sind viele VPN-Anbieter-Websites gesperrt und der Download wird ziemlich umständlich. Hier der vollständige Guide dazu, welches VPN du in Russland nutzen solltest.

10. So bewegst du dich in Russland

Russland ist riesig: Von der Ostsee bis zum Pazifik gibt es 11 Zeitzonen. Die Distanzen zwischen den Städten sind sibirisch (im wörtlichen Sinn), Verkehrsmittel zu kombinieren ist also Teil der Reise. Das sind deine Optionen.

10.1 Züge: der unverzichtbare Klassiker

Mit dem Zug zu reisen ist in Russland ein Erlebnis für sich. Egal, ob du die ganze Transsibirische Strecke fährst, mit dem Hochgeschwindigkeitszug Sapsan in vier Stunden von Moskau nach Sankt Petersburg fährst oder einen Nachtzug mit Schlafwagen nimmst – die russischen Eisenbahnen sind pünktlich, komfortabel und deutlich günstiger als in Westeuropa.

Das Problem ist wie immer der Ticketkauf: Die offizielle Website der russischen Eisenbahnen akzeptiert keine ausländischen Karten. Dafür kannst du einen Vermittler nutzen, der Visa oder Mastercard aus dem Ausland akzeptiert, dir das E-Ticket ausstellt, das du dann mit deinem Pass beim Einsteigen vorzeigst. Mein Guide: wie man Zugtickets in Russland online kauft.

10.2 Inlandsflüge: für lange Distanzen

Für sibirische Entfernungen ist das Flugzeug am praktischsten. Aeroflot, S7, Ural Airlines und Pobeda fliegen häufig zwischen Moskau, Sankt Petersburg, Sotschi, Kasan, Jekaterinburg, Wladiwostok, Murmansk und vielen weiteren Zielen. Inlandsflüge sind erstaunlich günstig. Gekauft werden sie wie internationale Flüge: über einen Vermittler, der ausländische Karten akzeptiert. Alles dazu im Guide zum Buchen von Flügen nach Russland mit ausländischer Karte.

10.3 Taxis und Transfers

Das russische Pendant zu Uber ist Yandex GO (früher Yandex Taxi), eine ausgezeichnete, günstige und weit verbreitete App. Das einzige Problem: Für die Registrierung brauchst du eine russische Mobilnummer. Wenn du also ohne lokale SIM ankommst, hilft dir die App nicht weiter.

Die Alternative für Flughafentransfer, Bahnhofstransfer oder einzelne Fahrten ohne russische SIM ist, schon vor der Reise deinen Transfer in Russland mit ausländischer Karte zu buchen. Du bestellst das Auto, der Preis steht fest, der Fahrer wartet mit deinem Namensschild am Flughafenausgang, und du zahlst von zu Hause mit deiner üblichen Visa. Meine Empfehlung, wenn du nach einem langen Umstieg um zwei Uhr nachts in Moskau ankommst: null Stress.

App Yandex GO zum Taxi rufen

10.4 Metro und Stadtverkehr

Die Moskauer Metro ist eine der schönsten der Welt (es gibt buchstäblich Stationen, die wie Paläste aussehen) und eine der effizientesten. Die in Sankt Petersburg ist schlichter, aber genauso funktional. Tickets bekommst du am Schalter mit Bargeld, an Automaten oder mit der russischen MIR-Karte. Die Touristenkarten Troika (Moskau) und Podorozhnik (Sankt Petersburg) erleichtern den Alltag enorm und sind günstig.

11. Unterkunft: mit ausländischer Karte buchen

Booking.com und Airbnb haben 2022 ihren Betrieb in Russland eingestellt, die üblichen westlichen Plattformen funktionieren also nicht. Die gute Nachricht: Es gibt Websites, auf denen du Hotels, Apartments und Hostels in Russland mit ausländischer Karte suchen und buchen kannst. Sie haben den gewohnten Bestand (von günstigen Hostels bis zu Fünf-Sterne-Hotels), akzeptieren Visa und Mastercard aus dem Ausland und lassen sich genauso bedienen wie westliche Plattformen.

Wenn du in der EU oder im Vereinigten Königreich lebst, brauchst du eventuell ein VPN, um auf einige dieser Websites zuzugreifen (manchmal werden EU-IPs blockiert), die Buchung selbst ist aber unkompliziert.

Unterkunft in Russland mit ausländischer Karte buchen

12. Geführte Touren und Ausflüge

Eine Frage, die mir oft gestellt wird: Brauche ich einen Guide? Nein, überhaupt nicht. Moskau und Sankt Petersburg lassen sich gut auf eigene Faust erkunden, wenn du eine Karte und etwas Geduld mit der kyrillischen Schrift mitbringst (die Schilder in der Metro stehen auch in lateinischen Buchstaben). Aber wenn du das Maximum herausholen, an Sehenswürdigkeiten wie der Eremitage oder dem Kreml die Schlangen umgehen oder jemanden dabeihaben willst, der dir auf Deutsch erklärt, was du gerade siehst, sind geführte Touren mit Privatguide eine sehr gute Wahl, in kleinen Gruppen zu einem fairen Preis.

13. Sprache, Kultur und praktische Tipps

Über den Papierkram hinaus gibt es ein paar praktische Punkte, die dir die Reise leichter machen.

  • Sprache: In Russland wird Russisch gesprochen, und Englisch ist viel weniger verbreitet, als wir denken. In Kettenhotels und in den touristischen Vierteln Moskaus oder Sankt Petersburgs versteht man dich, in Bezirksrestaurants, Taxis oder kleinen Läden aber nicht immer. Ein halbes Dutzend Wörter („Hallo“, „Danke“, „Entschuldigung“, „Wie viel kostet das?“) und ein paar Sätze über den Übersetzer im Handy lösen 90 % der Situationen. Yandex Translator funktioniert hervorragend zum Scannen von Speisekarten und Schildern.
  • Kyrillische Schrift: Investiere vor der Reise zehn Minuten ins Kyrillische. Die Buchstaben ähneln dem lateinischen Alphabet mehr, als du denkst, und plötzlich erkennst du „RESTORAN“, „METRO“, „BANK“ … Das verändert die Erfahrung deutlich.
  • Trinkgeld: nicht obligatorisch, aber willkommen. In Restaurants 5–10 %, wenn der Service stimmte.
  • Kleidung: Russland ist riesig, mit sehr unterschiedlichen Klimazonen. Moskau hat im Januar –15 °C, Sotschi im August 30 °C. Schau dir die echte Wettervorhersage für deine Reisezeit an und packe sinnvoll (richtige Winterkleidung, wenn du im Winter reist: Anorak, Mütze, Handschuhe, Stiefel mit guter Sohle).
  • Kirchen: Wenn du eine orthodoxe Kirche betrittst, bedecken Frauen den Kopf mit einem Tuch und Männer nehmen die Mütze ab. Während des Gottesdienstes wird nicht fotografiert.
  • Die Menschen: Der durchschnittliche Russe gilt im ersten Eindruck als ernst – und das stimmt auch. Sobald das Eis aber gebrochen ist (ein Lächeln, eine Frage, ein schlecht ausgesprochenes „Spasibo“), wirst du eine der herzlichsten und gastfreundlichsten Personen treffen, die dir je begegnet sind. Du wirst zum Tee eingeladen, bekommst die Geschichte des Viertels erzählt und Tipps, wo es am besten schmeckt.

14. Was du sehen kannst: Routen und Reiseziele

Beim ersten Mal ist die klassische Kombination Moskau + Sankt Petersburg in einer Woche oder zehn Tagen weiterhin die beste Einführung ins Land. Wenn du mehr Zeit hast oder beide Hauptstädte schon kennst, hat Russland viel mehr zu bieten.

Einen kompletten Überblick über Regionen und Routen findest du auf der Seite mit den Reiseplänen für Russland.

15. Zum Schluss: Lohnt es sich, jetzt nach Russland zu reisen?

Wenn du bis hierhin gelesen hast, hast du fast alles, was du für deine Entscheidung brauchst. Meine Meinung, nach vielen Reisen und mit Familie und Freunden vor Ort, ist klar: Ja, es lohnt sich. Russland ist eines dieser Länder, die die Perspektive verändern: durch die schiere Größe, die Mischung aus Europa und Asien, die historische Tiefe, die Kultur, die Küche und vor allem die Menschen.

Es stimmt, dass das Reisen jetzt etwas mehr Vorbereitung verlangt als 2019. Du musst das Visum organisieren, eine russische Versicherung abschließen, dir überlegen, wie du Geld mitnimmst, das VPN herunterladen, die Unterkunft über neue Kanäle buchen … aber nichts davon ist kompliziert, wenn du weißt, wo du anfangen sollst. Dieser Guide und die verlinkten Artikel bringen dich Schritt für Schritt bis zu dem Moment, in dem du ins Flugzeug steigst.

Und ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Die Belohnung lohnt sich. Das Gefühl, abends mit den beleuchteten Kuppeln der Basilius-Kathedrale über den Roten Platz zu gehen, in einem Zug, der durch Sibirien rollt, einen heißen Tee zu trinken, in einer Stadtteilkantine Pelmeni zu essen, in der niemand Englisch spricht und dir trotzdem alle zulächeln, oder im Hochsommer in Sotschi mit dem Kaukasus im Hintergrund in der Sonne zu liegen – das lässt sich kaum mit etwas vergleichen.

Wenn du konkrete Fragen hast, die ich hier nicht abgedeckt habe, schreib mir. Ich aktualisiere diesen Artikel jedes Mal, wenn sich etwas Wichtiges ändert, damit er immer der beste Ausgangspunkt bleibt. Gute Reise!

Häufig gestellte Fragen zum Reisen nach Russland

Kann man trotz des Ukraine-Kriegs jetzt nach Russland reisen?

Ja, man kann jetzt ganz normal nach Russland reisen. Die russischen Konsulate stellen Visa aus (eVisum und reguläres Visum), die touristischen Grenzen sind geöffnet und das Leben in Städten wie Moskau, Sankt Petersburg, Kasan oder Sotschi läuft normal. Was sich geändert hat, ist die Logistik: Es gibt keine Direktflüge aus Europa oder Amerika (du musst über Istanbul, Belgrad, Eriwan oder Dubai umsteigen), und ausländische Visa- und Mastercard-Karten funktionieren im Land nicht.

Ist es gefährlich, als Tourist nach Russland zu reisen?

Für einen Touristen, der aus touristischen Gründen reist und sich von den Grenzregionen zur Ukraine fernhält, ist das Risiko sehr gering. Das Leben in Moskau, Sankt Petersburg, Sotschi, Kasan oder jeder anderen touristisch relevanten Stadt ist normal: geöffnete Hotels, volle Restaurants und ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr. Die Verhaftungen von Ausländern, über die in der Presse berichtet wird, betreffen vor allem Journalisten, Aktivisten oder Personen mit politisch sensiblem Profil – nicht Touristen mit gültigem Visum.

Welches Visum brauche ich für Russland aus Deutschland?

Als deutscher, österreichischer oder Schweizer Staatsbürger kannst du das russische eVisum beantragen. Es erlaubt einen Aufenthalt von bis zu 30 Tagen, kostet rund 52 USD und wird online in etwa vier Tagen ausgestellt. Wenn du länger bleibst oder mehrfache Einreisen brauchst, beantragst du das reguläre Visum im Visumzentrum (rund 102 € einfache Einreise, 148 € doppelte, 254 € mehrfache, inklusive Gebühren und Bearbeitung).

Wird mein Handy an der russischen Grenze kontrolliert?

Seit Juli 2025 darf der russische Grenzschutz beim Ein- und Ausreisen elektronische Geräte überprüfen, in der Praxis sind die Kontrollen aber sehr selektiv. Für einen europäischen Touristen mit gültigem Visum, Rückflugticket und Hotelreservierung ist die Handykontrolle die Ausnahme, nicht die Regel. Trotzdem sinnvoll: heikle Inhalte vor der Reise vom Gerät entfernen.

Funktioniert meine Visa- oder Mastercard in Russland?

Nein. Visa, Mastercard und American Express, die außerhalb Russlands ausgegeben wurden, funktionieren seit März 2022 weder an Kartenlesegeräten noch an Geldautomaten. Die drei Alternativen, die funktionieren: Bargeld in Euro oder Dollar mitnehmen und in Rubel tauschen, vor Ort eine russische MIR-Karte beantragen oder vor der Reise Geld über Dienste wie SendNow nach Russland senden.

Welche Krankenversicherung gilt für das russische Visum?

Westliche Versicherer (Allianz, AXA, ADAC, ERGO, HanseMerkur) decken Russland aufgrund der Sanktionen nicht mehr ab, auch wenn ihre Policen eine „weltweite“ Deckung versprechen. Du brauchst einen an die Lage angepassten russischen Versicherer, der Zahlungen mit ausländischer Karte akzeptiert, die Konsular-Anforderungen erfüllt und die Police binnen Minuten ausstellt. Gültig sowohl für das eVisum als auch für das reguläre Visum.

Wie komme ich in Russland ins Internet, wenn ich keine lokale SIM kaufen kann?

Am praktischsten ist eine internationale eSIM mit Russland-Abdeckung, die du vor der Abreise abschließt: Du aktivierst sie in wenigen Minuten und hast Daten ab der Landung. Seit Oktober 2025 gelten in den ersten 24 Stunden Beschränkungen für einige ausländische eSIMs; wähle deshalb einen Anbieter, der im Land zuverlässig funktioniert. Eine russische SIM als Tourist zu kaufen ist seit 2025 schwierig, weil sie mit dem Behördenportal Gosuslugi verknüpft sein muss.

Brauche ich in Russland ein VPN?

Ja, wenn du Facebook, WhatsApp, Instagram, X (Twitter) oder YouTube nutzen willst, die in Russland gesperrt sind. Telegram funktioniert weiterhin ohne VPN. Wichtig: Lade und installiere das VPN vor der Landung in Russland. Im Land selbst sind viele VPN-Anbieter-Websites gesperrt und der Download wird umständlich.

Wie buche ich Hotels, wenn Booking.com in Russland nicht funktioniert?

Booking.com und Airbnb haben 2022 ihren Betrieb in Russland eingestellt. Es gibt alternative Plattformen, die den vollständigen Bestand anbieten (Hostels, Hotels, Apartments), auf Deutsch funktionieren und Visa und Mastercard aus dem Ausland akzeptieren. Wenn du in der EU oder im Vereinigten Königreich lebst, brauchst du eventuell ein VPN für den Zugriff, die Buchung selbst ist aber unkompliziert.

Gibt es Direktflüge nach Russland aus Deutschland?

Nein. Seit 2022 ist der Luftraum zwischen der EU und Russland geschlossen, keine europäische Fluggesellschaft fliegt direkt nach Moskau oder Sankt Petersburg. Du musst über ein Drittland umsteigen. Die meistgenutzten Hubs aus Deutschland sind Istanbul (Turkish Airlines, Pegasus), Belgrad (Air Serbia), Eriwan (Aeroflot, FlyOne) und Dubai (Emirates, flydubai). Istanbul ist meist am günstigsten und hat die meisten Frequenzen.

Was kostet eine einwöchige Reise nach Russland?

Mit knappem Budget reichen rund 50 € pro Tag (Hostels, lokale Kantinen, öffentlicher Nahverkehr). Mit mittlerem Komfort solltest du eher mit 80 € pro Tag rechnen (mittleres Hotel, auswärts essen, gelegentliche Ausflüge). Hinzu kommen der Flug mit Zwischenstopp (ab 400–600 € aus Deutschland je nach Termin) und Visum plus Versicherung (rund 100–150 € mit eVisum, mehr mit regulärem Visum). Eine Woche in Russland liegt meist bei 1.500–2.000 € pro Person, abhängig vom Reisestil.

Muss ich mich als Tourist in Russland registrieren?

Ja, die Ausländerregistrierung ist Pflicht, wenn du länger als 7 Tage in derselben Region bleibst. In Hotels und Hostels läuft das beim Check-in automatisch. In privaten Apartments muss sich der Vermieter darum kümmern. Bei Verlust der Migrationskarte oder fehlender Registrierung kann es bei der Ausreise zu Bußgeldern kommen.

Du reist nach Russland? Kläre das Wichtigste vor der Abreise

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