Wenn du demnächst nach Russland reisen willst, bereits dort lebst oder aus dem Ausland auf russische Websites zugreifen musst, die außerhalb Russlands gesperrt sind, dann ist dieser Guide für dich. Du musst eins wissen: Die meisten VPNs, die du bisher kanntest, funktionieren nicht mehr. Nicht, weil sie schlecht wären. Sondern weil die russische Regierung ein sehr fortschrittliches Internet-Filtersystem aufgebaut hat, das VPN-Verbindungen automatisch erkennt und blockiert. Gleichzeitig sperren viele russische Websites auch den Zugriff von außerhalb Russlands.
In diesem Guide erkläre ich dir ohne Technik-Kauderwelsch, was gerade passiert, welche Optionen du hast und wie du alles Schritt für Schritt einrichtest. Ich habe die Empfehlungen in drei Gruppen aufgeteilt: was du brauchst, wenn du nur ein paar Wochen unterwegs bist, was sinnvoll ist, wenn du in Russland lebst oder länger bleibst, und was du brauchst, wenn du außerhalb Russlands bist und auf russische Websites zugreifen willst (wie rzd.ru für Zugtickets, Museumsseiten, Onlineshops usw.).
📌 Kurzüberblick (wenn du es eilig hast)
• Wenn du nur kurz nach Russland reist: Installiere Proton VPN (gratis) oder Windscribe VOR der Reise. Aktiviere den Stealth-Modus. Das sollte reichen.
• Wenn du in Russland lebst oder länger bleibst: Richte deine eigene VPN mit Amnezia VPN auf einem gemieteten Server ein. Das ist die zuverlässigste Option und hält Sperren am besten stand.
• Wenn du außerhalb Russlands bist und auf russische Websites zugreifen musst: Du brauchst eine VPN mit Servern in Russland (Proton VPN kostenpflichtig, CyberGhost oder Windscribe kostenpflichtig). Wenn du dich mit einem russischen Server verbindest, glauben Websites wie rzd.ru, dass du in Russland bist.
• Immer: Wenn du reisen willst, lade alles VOR der Einreise nach Russland herunter. Sobald du drin bist, kann es sein, dass du nichts mehr herunterladen kannst.
Was gerade mit dem Internet in Russland passiert
In Russland besteht das Blockieren von VPNs längst nicht mehr nur darin, den Zugriff auf bestimmte Websites zu verhindern. Die Behörden nutzen Systeme, die die Art der Verbindung analysieren und erkennen, wenn sich der Datenverkehr nicht wie normales Surfen verhält. Wenn das System typische VPN-Muster erkennt, wird die Verbindung automatisch blockiert – selbst dann, wenn die Website, die du aufrufen willst, gar nicht zensiert ist.
Dieses System, bekannt als TSPU, ist in den Netzen von allen russischen Internetanbietern installiert – sowohl im Festnetz als auch mobil. Anfang 2026 hatte die russische Telekommunikationsaufsicht Roskomnadzor bereits den Zugriff auf mehr als 430 VPN-Dienste blockiert, und die Liste wächst ständig weiter.
Was bedeutet das für dich als Reisende:r oder Bewohner:in?
- Facebook, Instagram und X (Twitter) sind gesperrt. Ohne VPN kommst du nicht rein.
- YouTube ist so stark gedrosselt, dass es unbenutzbar ist ohne VPN. Videos laden nicht oder nur in miserabler Qualität.
- WhatsApp funktioniert ebenfalls nicht mehr. Telegram läuft problemlos.
- Viele internationale Nachrichtenseiten sind gesperrt: BBC, Deutsche Welle und viele mehr.
- Google News ist zeitweise gesperrt – je nach Zeitpunkt und Anbieter.
Die gute Nachricht: Millionen Menschen in Russland nutzen weiterhin täglich VPNs (rund 41% der Internetnutzer). Es ist nicht unmöglich – man muss nur wissen, welches Tool man nutzt.
Warum nicht jede VPN taugt
Bevor ich dir etwas empfehle, musst du eins verstehen: In Russland funktioniert eine VPN nur, wenn sie sich „tarnen“ kann.
Ich erkläre es kurz. Eine normale VPN baut einen „privaten Tunnel“ auf, durch den dein Internetverkehr läuft. Das Problem: Dieser Tunnel hat eine erkennbare „Form“ – als würdest du eine Uniform tragen. Das russische Filtersystem schaut auf deinen Traffic und sagt: „Sieht nach VPN aus, kappen wir.“
Die VPNs, die in Russland funktionieren, sind die, bei denen dieser Tunnel wie normaler Internetverkehr aussieht (als würdest du einfach irgendeine Website aufrufen). Das nennt man „Obfuskation“ oder „Stealth-Modus“ – und genau das solltest du bei jeder VPN suchen, die du in Russland nutzen willst.
💡 Goldene Regel: Wenn deine VPN keinen „Stealth“-Modus, „Obfuscated“ oder „Anti-Censorship“ hat, wird sie in Russland sehr wahrscheinlich nicht funktionieren. Schau in den App-Einstellungen danach.
Wenn du auf Reise bist (kurzer Aufenthalt): die schnelle Lösung
Wenn du für ein paar Wochen als Tourist:in oder beruflich nach Russland gehst, musst du es nicht unnötig kompliziert machen. Du brauchst eine App, die du installierst, aktivierst – und die läuft. Diese hier halten sich aktuell am besten:
1. Proton VPN — die meistempfohlene
Proton VPN ist die beliebteste Option für Länder mit Zensur. Das Unternehmen ist schweizerisch, es gibt eine kostenlose Version, und der Stealth-Modus ist speziell dafür gemacht, dass deine Verbindung wie normaler Web-Traffic aussieht.
📱 Schritt-für-Schritt-Einrichtung:
1. VOR der Reise: Geh auf protonvpn.com/download und lade die App für dein Handy oder deinen Computer herunter.
2. Erstelle ein Konto (die kostenlose Version enthält Stealth).
3. Öffne die App und gehe zu Einstellungen → Protokoll (oder Sicherheit) → wähle „Stealth“.
4. Verbinde dich mit einem Server außerhalb Russlands (Niederlande, USA oder was dir angeboten wird).
5. Wenn es nicht verbindet, probiere einen anderen Server. Manchmal muss man 2–3 testen, bis einer funktioniert.
Achtung: Die App wurde aus dem russischen App Store entfernt. Wenn du ein iPhone hast, lade sie vor der Reise herunter oder ändere die Region deines Apple-Kontos. Auf Android ist sie vorerst noch in Google Play verfügbar.
2. Windscribe — gute Alternative mit Gratis-Tarif
Windscribe ist eine weitere solide Option mit einem kostenlosen Tarif von 10 GB pro Monat (für eine kurze Reise ausreichend, solange du nicht den ganzen Tag Videos schaust). Es hat einen Stealth-Modus und integriert außerdem ein spezielles Protokoll (AmneziaWG), das dafür entwickelt wurde, die russische Filterung zu umgehen.
📱 So richtest du es ein:
1. Lade es von windscribe.com/download herunter (oder aus Google Play / App Store).
2. Erstelle ein Konto mit deiner E-Mail (um die 10 GB gratis freizuschalten).
3. Suche in der App in den Verbindungseinstellungen nach „Stealth“ oder „WStunnel“.
4. Verbinde dich mit einem Server außerhalb Russlands.
3. Mullvad — für alle, die maximale Privatsphäre wollen
Mullvad ist eine schwedische VPN, bei der du dich nicht einmal mit E-Mail registrieren musst (du kannst sogar bar bezahlen). 2026 nutzt sie eine Technik, die VPN-Traffic so tarnt, als wäre es Traffic moderner Websites (QUIC). Sie kostet fix 5€/Monat, ohne Jahrespläne oder Preis-Tricks.
Download: mullvad.net/download
Sie ist etwas weniger „einsteigerfreundlich“ als Proton oder Windscribe, aber wenn dir Privatsphäre über alles geht, ist das die beste kommerzielle Option.
4. AdGuard VPN — wenn du den AdGuard-Werbeblocker schon nutzt
AdGuard hat eine eigene VPN mit einem Protokoll, das wie normaler Web-Traffic aussehen soll. Wenn du AdGuard ohnehin zum Blocken von Werbung nutzt, ist die Integration praktisch.
Download: adguard-vpn.com
⚠️ VPNs, die in Russland wahrscheinlich NICHT funktionieren:
NordVPN und ExpressVPN wurden 2021 offiziell gebannt und ihre Apps aus den russischen Stores entfernt. Manche Nutzer berichten, dass sie mit bestimmten Servern noch verbinden können, aber zuverlässig ist das nicht. Ich würde sie nicht als erste Wahl nehmen.
Jede „kostenlose“ unbekannte VPN, die du über die Suche in Google findest: Viele haben keine Obfuskation, und manche verkaufen deine Daten. Wenn es gratis ist und nicht Proton, Windscribe oder Tor heißt, sei skeptisch.
Wenn du außerhalb Russlands bist und auf russische Websites zugreifen musst
Das ist ein Fall, den viele erst kennenlernen, wenn sie direkt davorstehen: Viele russische Websites sind außerhalb Russlands gesperrt. Das liegt nicht an deinem Internetanbieter oder deinem Computer. Es sind die russischen Websites selbst, die seit dem Krieg in der Ukraine begonnen haben, Verbindungen aus dem Ausland zu blockieren.
Das betrifft sehr konkrete, praktische Situationen:
- Du willst vor der Reise Zugtickets auf rzd.ru (Website der russischen Eisenbahn) kaufen.
- Du willst Tickets für russische Museen (Eremitage, Tretjakow usw.) über deren offizielle Websites buchen.
- Du musst auf russische Behörden-/Service-Websites wie mos.ru (Stadtverwaltung Moskau) oder pochta.ru (Russische Post) zugreifen.
- Du willst in russischen Onlineshops wie Wildberries, Ozon oder ähnlichen einkaufen.
- Du willst auf russische Streaming-Dienste wie Kinopoisk oder ivi.ru zugreifen.
Wenn du von außerhalb Russlands auf diese Websites zugreifen willst, bekommst du oft eine Meldung wie „Diese Website ist nicht erreichbar“ oder die Seite lädt einfach nicht. Die Lösung: Verbinde dich über einen Server, der in Russland steht, sodass die Website denkt, du wärst dort.
Was brauchst du? Eine VPN mit Servern in Russland
Hier ist der Bedarf genau umgekehrt wie bei Reisenden in Russland. Du musst nicht aus Russland „raus“, sondern virtuell „rein“. Dafür brauchst du eine VPN, die Server in Russland hat und dir eine russische IP-Adresse gibt. Genau das bieten die meisten VPNs NICHT an, weil viele ihre physischen Server in Russland nach den Sanktionen 2022 abgezogen haben.
Achtung: Die meisten VPNs, die dafür funktionieren, tun das über „virtuelle Server“ – das heißt, der Server steht physisch in einem anderen Land (z. B. Schweden oder Finnland), gibt dir aber eine russische IP. Für den Zugriff auf Websites wie rzd.ru reicht das meist aus.
Optionen, die funktionieren, um aus dem Ausland auf russische Websites zuzugreifen
1. Proton VPN (kostenpflichtige Version) — hat Server in Sankt Petersburg und Moskau. In der Bezahlversion kannst du dich direkt mit Russland verbinden. Die kostenlose Version enthält KEINE russischen Server.
Preis: ab ~5€/Monat. Download: protonvpn.com/download
2. CyberGhost — hat mehr als 60 virtuelle Server in Moskau. Für diesen Use Case ist es besonders gut, weil es optimierte Server anbietet. Sehr einfach zu bedienen.
Preis: ab ~2€/Monat bei langen Laufzeiten. Download: cyberghostvpn.com
3. Windscribe (kostenpflichtige Version) — hat Russland-Server im Pro-Tarif. Die kostenlose Version enthält keine Server in Russland.
Preis: ab ~5€/Monat oder individueller Plan ab 3$/Monat. Download: windscribe.com/download
4. AdGuard VPN — hat Server in Russland und das proprietäre Protokoll TrustTunnel. Gute Option, wenn du AdGuard schon nutzt.
Download: adguard-vpn.com
📱 So greifst du Schritt für Schritt auf rzd.ru zu (praktisches Beispiel):
1. Installiere Proton VPN (oder CyberGhost) auf deinem Computer oder Handy.
2. Öffne die App und suche in der Serverliste nach „Russland“ oder „RU“.
3. Verbinde dich mit einem Server in Russland (Moskau oder Sankt Petersburg).
4. Öffne deinen Browser und gehe auf rzd.ru. Jetzt sollte es normal laden.
5. Wenn du fertig bist, trenne die VPN-Verbindung, um wieder normal zu surfen.
⚠️ Wichtige Einschränkung bei rzd.ru:
Auch wenn du mit VPN auf rzd.ru zugreifen kannst, um Fahrpläne zu prüfen und Züge zu suchen, gilt: Du kannst nicht mit Visa-, Mastercard- oder American-Express-Karten bezahlen, die außerhalb Russlands ausgestellt wurden. Diese Karten funktionieren in Russland seit den Sanktionen 2022 nicht mehr. Um Tickets zu kaufen, brauchst du eine russische Bankkarte oder musst einen Vermittler nutzen.
Schnelle und kostenlose Alternative: Wenn du nur etwas Konkretes nachschauen musst (z. B. Zugfahrpläne), kannst du eine kostenlose Browser-Erweiterung installieren, die dir eine russische IP gibt. Für sensible Daten sind sie nicht ideal, aber für Fahrpläne oder Preise reichen sie. Suche in den Chrome-Erweiterungen nach „free VPN Russia“. Empfehlung: Gib bei diesen kostenlosen Erweiterungen keine persönlichen Daten ein und logge dich nicht ein.
Trick mit Kasachstan: Manche russischen Websites akzeptieren auch Verbindungen aus Kasachstan. Wenn deine VPN keinen Russland-Server hat, aber einen in Kasachstan, probiere den. Nutzer haben z. B. berichtet, dass rzd.ru mit kasachischer IP funktioniert.
Wenn du in Russland lebst oder länger bleibst: die robuste Lösung
Wenn du mehrere Monate bleibst oder in Russland lebst, werden kommerzielle VPNs dir früher oder später Probleme machen. Die Regierung blockiert deren Server in Wellen – und irgendwann kommt der Tag, an dem deine „Standard-VPN“ nicht mehr funktioniert.
Die Lösung, die am besten durchhält, ist: deine eigene VPN aufsetzen. Ich weiß, das klingt kompliziert, ist es aber nicht so sehr, wie es wirkt. Ich erkläre es dir:
Was heißt „deine eigene VPN aufsetzen“?
Statt die Server eines Unternehmens zu nutzen (Proton, Windscribe usw.), mietest du einen kleinen Server im Internet (VPS, „Virtual Private Server“) und nutzt eine App, die diesen Server in deine persönliche VPN verwandelt. Der Vorteil: Dein Server steht auf keiner Blockliste, weil er dir gehört und niemand weiß, dass es eine VPN ist.
Die Kosten: zwischen 3 und 5 Euro pro Monat für den Server. Die Einrichtung: Die App führt dich Schritt für Schritt durch.
Amnezia VPN — die zuverlässigste Option für Russland
Amnezia VPN ist in Russland entstanden, entwickelt von Aktivist:innen für digitale Rechte – speziell, um die russische Zensur zu umgehen. Es ist kostenlos, Open Source (jede:r kann prüfen, dass nichts Komisches passiert) und hat ein unabhängiges Sicherheits-Audit bestanden.
Das ist das Tool, das viele Menschen in Russland täglich nutzen – und das sich am besten anpasst, wenn die Regierung neue Protokolle blockiert, weil du mit ein paar Klicks den „Modus“ wechseln kannst.
📱 So setzt du es auf:
Schritt 1: Miete einen Server (VPS)
Du brauchst einen kleinen Server außerhalb Russlands. Das ist wie ein Zimmer im Internet zu mieten. Beliebte Optionen:
- Hetzner (ab ~4€/Monat, Server in Europa)
- DigitalOcean (ab ~4$/Monat, Server in vielen Ländern)
- BuyVM (ab ~3.50$/Monat)
Wähle bei der Registrierung einen Server mit Ubuntu (das gängigste Betriebssystem). Du bekommst eine IP-Adresse und ein Passwort. Speichere beides.
Schritt 2: Lade Amnezia VPN herunter
- Android: Suche „Amnezia VPN“ in Google Play oder lade es von amnezia.org herunter
- iPhone: Suche „DefaultVPN“ im App Store (das ist die alternative Amnezia-App für iOS in Russland)
- Computer: Download über amnezia.org
Schritt 3: Verbinde die App mit deinem Server
Öffne Amnezia, tippe auf „Server hinzufügen“, gib die IP und das Passwort deines VPS ein. Die App installiert alles automatisch auf dem Server. Du musst nichts Technisches anfassen.
Schritt 4: Verbinden – fertig
Standardmäßig nutzt es das Protokoll AmneziaWG. Wenn es nicht verbindet, gehe in die Verbindungseinstellungen und aktiviere „VLESS-Protokoll verwenden“. Mit einem von beiden sollte es funktionieren.
Du willst keinen Server aufsetzen? Amnezia bietet auch einen kostenpflichtigen Dienst (Amnezia Premium), bei dem sie sich um alles kümmern. Außerdem gibt es einen kostenlosen Basisdienst über einen Bot in Telegram. Mehr Infos auf amnezia.org.
Outline VPN — die am einfachsten aufzubauende Alternative
Outline ist ein Projekt von Jigsaw (von Google). Es funktioniert ähnlich: Du mietest einen Server, und Outline macht daraus deine persönliche VPN. Der Vorteil: Die Installation ist sogar noch einfacher als bei Amnezia.
Der Nachteil: Es nutzt ein Protokoll namens Shadowsocks, das Russland inzwischen gezielt zu blockieren begonnen hat. Es kann funktionieren – oder auch nicht, je nach Zeitpunkt und Anbieter. Deshalb empfehle ich Amnezia als erste Wahl und Outline als Backup.
Download: getoutline.org
Notfallplan: Tor (wenn nichts mehr geht)
Tor ist keine VPN. Es ist ein anonymes Netzwerk, bei dem deine Verbindung über mehrere Punkte weltweit weitergeleitet wird, bevor sie ihr Ziel erreicht. Es ist langsam (vergiss Videos), aber wenn alles andere ausfällt, kann es dein letzter Ausweg sein, um auf eine gesperrte Website zuzugreifen oder eine Nachricht zu senden.
Direkte Tor-Verbindungen sind in Russland blockiert, aber es gibt Wege rein:
- Snowflake: nutzt andere Browser als „Brücke“ zum Verbinden. Langsam, aber manchmal klappt es.
- WebTunnel: tarnt deine Tor-Verbindung als normalen Web-Traffic. Neuer und vielversprechender.
Lade den Tor Browser von torproject.org herunter und füge die Bridges (Brücken) Snowflake oder WebTunnel in den Einstellungen hinzu – am besten vor der Reise.
💡 Tor ist für Notfälle. Erwarte damit keine Videoanrufe und kein YouTube. Es ist dafür da, auf gesperrte Websites zuzugreifen, wenn sonst nichts funktioniert.
Warum deine VPN heute funktioniert und morgen nicht
Das passiert allen – und es ist nicht deine Schuld. Es gibt drei Hauptgründe:
1. Man hat deine „Tarnung“ erkannt. Das Filtersystem lernt, neue VPN-Protokolle zu erkennen. Sobald es das kann, werden sie gekappt. Deshalb aktualisieren VPNs, die funktionieren, ihre Protokolle ständig.
2. Die Adresse deines Servers wurde blockiert. Selbst wenn deine VPN sich gut tarnt: Wenn die Regierung die Serveradresse auf die Blacklist setzt, verbindest du dich nicht mehr. Kommerzielle VPNs trifft das häufiger, weil ihre Server bekannt sind. Eigene VPNs (Amnezia) sind weniger betroffen, weil dein Server anonym ist.
3. Du bist in einer Phase des „Total-Lockdowns“. In Ausnahmesituationen (politische Ereignisse, „Sicherheitsübung“) schalten manche Regionen Russlands in einen Modus, in dem nur russische Dienste funktionieren (Yandex, Sberbank usw.). Alles von außerhalb wird gekappt. Wenn das passiert, hilft nur abwarten.
✅ Was tun, wenn deine VPN nicht mehr funktioniert:
1. Wechsle das Protokoll in der App (von Stealth zu WireGuard oder von AmneziaWG zu VLESS).
2. Probiere einen anderen Server.
3. Wechsle das Netz: Wenn du im WLAN bist, probiere mobile Daten (oder umgekehrt).
4. Wenn nichts geht, probiere deine zweite VPN oder Tor.
5. Wenn wirklich gar nichts geht: warten. Manchmal dauern Sperren Stunden, nicht Tage.
Ein wichtiges Detail: Mobilfunknetze sind oft aggressiver als WLAN. Anbieter wie MTS setzen härtere Filter ein. Wenn deine VPN über mobile Daten nicht verbindet, probiere WLAN.
Checkliste: Was du VOR der Einreise nach Russland erledigen musst
Diese Liste ist das Wichtigste im ganzen Artikel. Speichere sie oder drucke sie aus.
CHECKLISTE FÜR REISENDE (kurzer Aufenthalt)
☐ Lade Proton VPN (oder Windscribe) herunter und installiere es auf deinem Handy und/oder Laptop.
☐ Erstelle das Konto und teste, ob es mit aktiviertem Stealth verbindet.
☐ Wenn du ein iPhone hast: Prüfe, ob die App installiert ist (du kannst sie nicht aus dem russischen App Store herunterladen).
☐ Speichere die Installationsdatei (APK auf Android) auf deinem Handy, falls du neu installieren musst.
☐ Installiere den Tor Browser als Notfallplan und richte Snowflake-Bridges ein.
☐ Notiere dir die Support-E-Mail deiner VPN, falls du vor Ort Hilfe brauchst.
CHECKLISTE FÜR RESIDENTEN / LANGER AUFENTHALT
☐ Alles oben, plus:
☐ Miete einen VPS (Hetzner, DigitalOcean oder ähnlich) und speichere die Zugangsdaten.
☐ Installiere Amnezia VPN und richte es mit deinem VPS ein.
☐ Teste, ob es sowohl mit AmneziaWG als auch mit VLESS funktioniert (als Plan B).
☐ Speichere die Schlüssel und Amnezia-Konfigurationen lokal (nicht nur in der Cloud).
☐ Tritt dem Telegram-Kanal von Amnezia bei, um über Änderungen und Probleme auf dem Laufenden zu bleiben.
☐ Halte Proton VPN oder Windscribe als kommerzielles Backup bereit, falls dein VPS Probleme macht.
☐ Überlege, zwei VPS bei unterschiedlichen Anbietern/Ländern zu haben, falls einer blockiert wird.
Übersichtstabelle: Was du je nach Situation nutzen solltest
| VPN | Typ | Protokoll | Preis | Ideal für | Stärke |
|---|---|---|---|---|---|
| Proton VPN | Kommerziell | Stealth | Gratis / kostenpflichtig | Tourist:innen / Ausl. | Am vielseitigsten |
| Windscribe | Kommerziell | Stealth + AWG | Gratis 10GB/Monat | Tourist:innen / Ausl. | Guter Gratis-Tarif |
| CyberGhost | Kommerziell | WireGuard | Ab 2€/Monat | Zugr. aus Ausl. | 60+ RU-Server |
| Mullvad | Kommerziell | WireGuard/QUIC | 5€/Monat | Tourist:innen | Maximale Privatsphäre |
| AdGuard VPN | Kommerziell | TrustTunnel | Gratis / kostenpflichtig | Tourist:innen / Ausl. | Wenn du AdGuard schon nutzt |
| Amnezia VPN | Selbst gehostet | AWG + VLESS | Gratis / VPS | Resident:innen | Am zuverlässigsten |
| Outline | Selbst gehostet | Shadowsocks | Gratis / VPS | Resident:innen | Einfach aufzusetzen |
| Tor | Anonymes Netzwerk | Snowflake | Gratis | Notfall | Letzter Ausweg |
Häufige Fragen
Ist es illegal, in Russland eine VPN zu nutzen?
Nicht direkt. Die Nutzung einer VPN ist an sich nicht illegal. Illegal ist es, sie zu nutzen, um auf Inhalte zuzugreifen, die die Regierung blockiert hat. In der Praxis machen das täglich Millionen Menschen, und Russland verfolgt dafür keine einzelnen Nutzer. Die Strategie ist, die Tools zu blockieren – nicht die Nutzer zu bestrafen. Als ausländische:r Reisende:r ist das Risiko minimal, aber nutze deinen gesunden Menschenverstand: Poste vor Ort nicht in sozialen Netzwerken darüber, wie du Sperren umgehst.
Kann ich eine VPN herunterladen, wenn ich schon in Russland bin?
Wahrscheinlich nicht. Viele VPN-Apps wurden aus dem russischen App Store entfernt, und einige auch aus Google Play. Die Websites der Anbieter sind oft blockiert. Regel Nummer eins: Lade alles vor der Reise herunter. Wenn du schon dort bist, probiere die Chrome-Erweiterung von Proton VPN – die ist manchmal noch erreichbar – oder lass dir die Installationsdatei von jemandem außerhalb Russlands schicken.
Meine VPN hat gestern verbunden und heute nicht. Was soll ich tun?
Das ist normal. Wechsle in den App-Einstellungen das Protokoll (von Stealth zu einem anderen Modus oder von AmneziaWG zu VLESS), probiere einen anderen Server und wechsle von WLAN zu mobilen Daten oder umgekehrt. Wenn nichts funktioniert, nutze deine zweite VPN oder Tor als letzten Ausweg.
Mobile Daten oder WLAN? Was funktioniert besser?
Kommt auf den Zeitpunkt und den Anbieter an. Mobilfunknetze großer Anbieter (MTS, Megafon, Beeline) setzen oft aggressivere Filter ein. Hotel-WLAN kann besser oder schlechter funktionieren. Mein Tipp: Halte beide Optionen bereit und probiere es aus. Manchmal ist die Lösung schlicht, die Verbindungsart zu wechseln.
Funktionieren NordVPN oder ExpressVPN in Russland?
Beide wurden 2021 gebannt und ihre Apps aus den russischen Stores entfernt. Manche Nutzer schaffen es, mit bestimmten Servern zu verbinden, aber das ist keine zuverlässige Lösung. Für 2026 würde ich sie nicht als erste Option empfehlen.
Ist es sehr kompliziert, meine eigene VPN aufzusetzen?
Mit Amnezia VPN nicht. Die App fragt nach der Serveradresse und dem Passwort, und sie installiert und konfiguriert alles automatisch. Wenn du einem 10-Minuten-Tutorial folgen kannst, kannst du das auch. Und wenn selbst das nicht: Amnezia hat einen kostenpflichtigen Dienst (Premium), der alles für dich erledigt.
Was ist mit YouTube in Russland?
YouTube ist nicht offiziell gesperrt, aber seit Juli 2024 so stark gedrosselt, dass es ohne VPN praktisch unbenutzbar ist. Mit einer funktionierenden VPN läuft es einwandfrei.
Und WhatsApp, Instagram, Facebook?
Facebook und Instagram sind seit 2022 gesperrt (als „extremistisch“ eingestuft). WhatsApp seit 2025. Telegram funktioniert problemlos. Mit VPN kommst du überall rein.
Kann das Hotel sehen, dass ich eine VPN nutze?
Wenn deine VPN den Stealth-Modus bzw. Obfuskation nutzt, sieht dein Traffic wie normales Web-Surfen aus. Man sollte es nicht unterscheiden können. Wenn du ein Protokoll ohne Obfuskation nutzt, könnte es erkannt werden.
Warum kann ich von Europa aus nicht auf rzd.ru zugreifen?
Nach Cyberangriffen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine haben viele russische Websites (rzd.ru, mos.ru, pochta.ru und andere) den Zugriff von ausländischen IP-Adressen blockiert. Nicht dein Internetanbieter blockiert – die russische Website selbst weist deine Verbindung zurück. Um Zugriff zu bekommen, brauchst du eine VPN mit Servern in Russland, die dir eine russische IP gibt.
Kann ich mit VPN Zugtickets auf rzd.ru kaufen?
Fahrpläne und Preise kannst du problemlos ansehen. Zum Bezahlen brauchst du aber eine in Russland ausgestellte Bankkarte. Visa-, Mastercard- und American-Express-Karten, die außerhalb Russlands ausgestellt wurden, funktionieren dort seit den Sanktionen 2022 nicht mehr. Alternativen: Jemanden in Russland bitten, das Ticket zu kaufen, ein Reisebüro nutzen oder direkt am Bahnhof nach der Ankunft kaufen.
Brauche ich eine kostenpflichtige VPN, um aus dem Ausland auf russische Websites zuzugreifen?
Für etwas Punktuelles (Fahrpläne prüfen, Preise ansehen) kann eine kostenlose Browser-Erweiterung mit russischem Server reichen. Aber für Einkäufe, Registrierungen oder das Senden persönlicher Daten ist eine zuverlässige kostenpflichtige VPN wie Proton VPN oder CyberGhost besser, weil sie deine Verbindung verschlüsselt und deine Daten schützt.
Was kostet das alles?
Für Reisende in Russland: gratis. Proton VPN und Windscribe haben kostenlose Tarife mit Stealth. Für den Zugriff auf russische Websites aus dem Ausland: Du brauchst einen Bezahlplan (ab ~2€/Monat bei CyberGhost, ~5€/Monat bei Proton). Für Resident:innen: Ein VPS für Amnezia kostet 3–5€/Monat. Kostenpflichtige kommerzielle VPNs liegen meist bei 5–10€/Monat.
Rechtlicher Hinweis und digitale Sicherheit
Dieser Artikel dient der Information und ist aus der Perspektive einer reisenden Person geschrieben, die während ihres Aufenthalts in Russland Zugriff auf ihre üblichen Dienste braucht (E-Mail, soziale Netzwerke, Online-Banking, Kommunikation mit der Familie). Ich bewerbe nicht die Nutzung von VPNs, um auf illegale Inhalte zuzugreifen.
Wissenswertes:
- Seit März 2024 ist es in Russland verboten, Informationen über Tools zur Umgehung von Sperren zu verbreiten. Als Reisende:r ist dein Risiko minimal, aber poste in russischen sozialen Netzwerken nicht, wie du Sperren umgehst.
- Seit September 2025 gibt es Geldstrafen für das Bewerben von VPNs in Russland.
- Wenn deine Reise journalistische Arbeit, Aktivismus oder andere sensible Aktivitäten umfasst, sprich vor der Reise mit Organisationen wie Access Now oder der EFF.
Zum Schluss
Das Internet in Russland im Jahr 2026 ist nicht mehr das, was es einmal war. Aber mit ein bisschen Vorbereitung kannst du auf deine Dienste zugreifen, normal kommunizieren und deine Privatsphäre schützen. Der Schlüssel liegt in drei Dingen: alles vor der Reise vorbereiten, mindestens zwei Optionen dabeihaben (eine einfache und eine als Backup) und nicht frustriert sein, wenn mal etwas nicht klappt.
Wenn etwas nicht funktioniert, denk daran: Protokoll wechseln, Netzwerk wechseln, die andere VPN ausprobieren. Es gibt immer einen Weg.
— Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Letzte Überarbeitung: Februar 2026. Wenn sich etwas geändert hat, schreib mir über das Kontaktformular, dann aktualisiere ich es.






