Die Befragung an der russischen Grenze: wen es trifft, was gefragt wird und wie lange es dauert (über 90 Erfahrungsberichte)
Von Irena Domingo
Aktualisiert am
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Nein, die Befragung an der russischen Grenze trifft nicht jeden, und sie ist auch keine Lotterie. Viel hängt davon ab, wer du bist: Briten, Amerikaner und Kanadier landen deutlich häufiger dort, ebenso alle mit einer Verbindung zur Ukraine oder einem russischen Partner, Vielreisende und wer als einziger Ausländer im Bus oder im Flugzeug sitzt. Und viel hängt davon ab, wo du einreist: In Koidula und Luhamaa, den Übergängen im Süden Estlands, wird fast jeder Ausländer befragt, während die meisten am Flughafen Pulkowo in wenigen Minuten durch sind.
Ich habe die Berichte von über 90 Leserinnen und Lesern und rund 80 Erfahrungen aus Telegram-Gruppen verglichen, um zu sehen, was sich wiederholt: wen es trifft, was gefragt wird, wie lange es dauert und ob sie dein Handy durchsehen. Das ist keine Studie mit statistischem Wert, sondern eine Auswahl echter Erfahrungen; die Muster sind aber ziemlich deutlich.

Das ist wahrscheinlich die Frage, die ich am häufigsten bekomme, seit ich Leserberichte veröffentliche: „Werde ich verhört?“ Verständlich, denn in den Berichten gibt es alles: Ein spanischer Leser saß dreieinhalb Stunden in einem Raum in Iwangorod, während ein 78-jähriger Brite, ehemaliger Soldat, denselben Übergang mit einem Lächeln und ohne eine einzige Frage passierte. Für die allgemeine Lage an jedem Übergang (Öffnungszeiten, Wartezeiten, Anreise) gibt es den Ratgeber zu Russlands Grenzen; hier geht es nur um die Befragung.
Was die „Befragung“ ist und wie sie sich von der normalen Kontrolle unterscheidet
Die normale Kontrolle erleben die meisten: Du gibst deinen Pass am Schalter ab, es werden Foto und Fingerabdrücke genommen, vielleicht kommen ein, zwei Fragen („Tourismus?“, „Wie viele Tage?“), Stempel, und du bist drin. Drei bis zehn Minuten.
Die Befragung (auf Russisch беседа, „Gespräch“, auch wenn Leser von Verhör, zweiter Linie oder Zusatzkontrolle sprechen) ist etwas anderes. Die Berichte folgen fast immer demselben Ablauf:
- Am Schalter bekommst du deinen Pass nicht zurück und wirst in einen separaten Bereich geschickt, manchmal zusammen mit anderen Ausländern.
- Nach einer Wartezeit von 20 Minuten bis zu mehreren Stunden ruft dich ein Beamter in ein Büro. Der russische Grenzschutz gehört zum FSB, wer dich befragt, ist also FSB, auch in grüner Uniform.
- Er stellt dir Fragen zu dir und deiner Reise, oft auf Russisch oder mit einer Übersetzungs-App auf dem Handy oder Tablet.
- In vielen Fällen verlangt er dein entsperrtes Handy und nimmt es eine Weile mit oder sieht es vor deinen Augen durch.
- Du bekommst den Pass zurück, er wird gestempelt, und du bist drin. In allen Leserberichten außer dreien endete es so.
An den estnischen Übergängen, und manchmal auch anderswo, bekommst du vor der Befragung einen Fragebogen auf Papier, nur auf Russisch: persönliche Daten, Adresse, Beruf, die IMEI deines Handys, ob du Wehrdienst geleistet hast, ob du Familie in Russland oder in der Ukraine hast, ob du Menschen kennst, die auf ukrainischer Seite kämpfen, und was du von der EU-Politik hältst. Nimm einen Kuli mit und, wenn du kein Russisch liest, eine Übersetzungs-App mit Kamerafunktion.
Was keine Befragung ist, auch wenn es oft verwechselt wird: Foto und Fingerabdrücke, die seit Dezember 2024 allen Ausländern an den Moskauer Flughäfen abgenommen werden und seit Juni 2026 an elf weiteren Grenzposten; und die langen Wartezeiten in der Schlange, die in Narva oder an der lettischen Grenze meist an der EU-Seite oder am Zoll liegen, nicht am FSB. Den Ablauf Schritt für Schritt erkläre ich in was bei der Ankunft an einem russischen Flughafen passiert.
Die Daten: was ihr mir erzählt habt, Übergang für Übergang
Diese Tabelle fasst die Leserberichte (Reiseberichte, Kontaktformulare und E-Mails aus 2025 und 2026) und die Berichte aus den Telegram-Gruppen der einzelnen Grenzen zusammen. Nimm sie als das, was sie ist: eine Auswahl von Erfahrungen, keine Studie mit statistischem Wert. Es sind höchstens ein paar Dutzend Fälle pro Übergang, Menschen schreiben eher, wenn etwas schiefgeht, und in den Telegram-Gruppen sind vor allem Russen und Doppelstaatler unterwegs. Aber die Muster wiederholen sich zu oft, um Zufall zu sein.
| Übergang | Befragung für Europäer | Typische Dauer | Was sich am häufigsten wiederholt |
|---|---|---|---|
| Pulkowo (St. Petersburg) | Sehr selten | 3–10 Min. | Die entspannteste Einreise aller Berichte |
| Scheremetjewo und Wnukowo (Moskau) | Manchmal (etwa jeder Dritte) | 1–4 Std., wenn es dich trifft | Briten, Amerikaner und Kanadier, fast immer |
| Regionale Flughäfen (Kasan, Jekaterinburg, Saratow) mit internationalen Flügen | Häufig | 20 Min.–2,5 Std. | Manchmal werden alle Ausländer des Flugs aufgerufen |
| Narva–Iwangorod (Estland) | Häufig in 2026, aber kurz | Befragung 5–20 Min. (vereinzelt 3 Std.); der ganze Übergang 3 bis 24 Std. | Stundenlanges Anstehen, vor allem auf estnischer Seite |
| Koidula und Luhamaa (Südestland) | Fast sicher | Kurze Befragung, aber 2–12 Std. Wartezeit | Papierfragebogen und Befragung für alle Nicht-Russen |
| Kaliningrad (aus Polen oder Litauen) | Unterschiedlich | 1–4 Std., wenn es dich trifft | Eher beim ersten Übertritt und bei englischsprachigen Reisenden |
| Lettland (Buratschki, Ubylinka) | Häufig | 4–6 Std. auf russischer Seite | Handykontrolle, Spürhund und Fragebogen |
| Upper Lars (Georgien) | Häufig, wenn du der einzige Ausländer bist | 15–60 Min. | Befragung per Übersetzungs-Tablet und einbehaltenes Handy |
| Storskog–Borisoglebsk (Norwegen) | Selten | Minuten | Weder Fragen noch Handykontrolle in den Berichten |
Wo du einreist
Flughäfen in St. Petersburg und Moskau
Pulkowo ist die entspannteste Einreise von allem, was ich gesammelt habe. Rund zehn Leser (Deutsche wie Sabine, Franzosen, Italiener, ein Amerikaner mit Dreijahresvisum) waren in 3–10 Minuten durch, manchmal mit einer einzigen Frage. Eine Ankunft mitten in der Nacht hilft: Der Flughafen ist leer, die Schlange kurz, und die Beamten haben keine Eile, jemanden herauszuwinken.
In Scheremetjewo und Wnukowo kommen die meisten ebenfalls ohne Befragung durch, aber hier häufen sich die Fälle mit Extraraum. Einen italienischen Studenten fragte man in Scheremetjewo, wie lange er bleibe, warum er Russland gewählt habe, was er studiere und was seine Eltern beruflich machen, während man sein WhatsApp, die Kontakte und die installierten Apps durchscrollte: gut eine Stunde. Ein Franzose wurde drei Stunden festgehalten und zu den Namen in seinen Kontakten befragt. Ein spanischer Leser, der mit einem Flug aus Minsk in Scheremetjewo ankam, wurde von den russischsprachigen Passagieren getrennt und beantwortete weniger als eine Viertelstunde lang ein paar Fragen. Und Catherine und ihr Partner bekamen ein „kleines Verhör“ mit Kontrolle der Handys.
Verwechsle Festhalten nicht mit Befragung: Ein spanischer Leser mit Privatvisum saß in Kasan anderthalb Stunden mit etwa 60 Ausländern in einem Wartebereich, während die Pässe geprüft wurden, aber ohne eine einzige Frage. Und ein amerikanischer Leser erzählt, dass er bei beiden Ankünften in Wnukowo zum extra screening geschickt wurde, was hieß: anderthalb Stunden sitzen und warten, ohne Befragung und ohne dass jemand sein Handy anrührte.
Regionale Flughäfen mit internationalen Flügen
Das hat mich überrascht: In Städten, in die nur wenige westliche Touristen kommen, ist eine Befragung wahrscheinlicher als in Moskau. In Jekaterinburg wurden die drei Touristen eines Flugs aus Istanbul einzeln befragt, jeweils 20–30 Minuten. In Saratow wurden sechs Italiener, die aus Jerewan kamen, einer nach dem anderen in einen kleinen Raum gerufen, für ein paar Fragen und einen Blick in die Fotogalerie. In Kasan kontrollierte man bei einem schwedischen Leser zwei Handys und den Laptop, und er musste zusätzlich Hemd und Hosenbeine hochziehen, damit man nach Tattoos suchen konnte; insgesamt zweieinhalb Stunden. Alle sind ohne weitere Probleme eingereist.

Narva–Iwangorod: stundenlang anstehen, kurze Befragung
Mach dir nichts vor: Narva ist kein schneller Übergang. In den Berichten dauert der ganze Grenzübertritt an einem normalen Tag drei bis fünf Stunden, und in den Ferien oder wenn die Grenze verstopft ist, habe ich von Wartezeiten von 10, 23 und sogar 24 Stunden gelesen, zwischen Schlange und Kontrollen. Die meiste Zeit verbringst du auf der estnischen Seite. Der Unterschied zu den südlichen Übergängen ist, was passiert, wenn du am russischen Schalter ankommst.
Dort beschreiben fast alle Leser, die davon erzählen, eine schnelle, sogar freundliche Kontrolle ohne Befragung: Leo aus Litauen erinnert sich an zwei gelangweilt wirkende Beamte, die ihm die üblichen Fragen stellten und ihn durchwinkten. Auf Telegram taucht die Befragung dagegen in den meisten Berichten aus 2026 auf, die die russische Kontrolle beschreiben, wenn auch kurz: 5 bis 20 Minuten, manchmal nur, um die IMEI des Handys zu notieren. Eine Deutsche, die fast jeden Monat über die Grenze fährt, sagt, dass sie in Iwangorod noch nie befragt wurde, an den südlichen Übergängen aber schon.
Die Ausnahme war Javier aus Alicante im September 2026: Spürhund am Gepäck, ein separater Raum, zweieinhalb Stunden Fragen zu seinem Geld, seiner Freundin, seiner Familie und ob er in der Ukraine gedient habe, Kontrolle der Fotos auf dem Handy, und dann ein zweiter Beamter, der ihm fast dieselben Fragen noch eine Stunde lang stellte. Er glaubt, dass es eine Rolle spielte, dass er Spanier ist, was an diesem Übergang selten ist. Er kam rein, und bei der Ausreise dauerte es fünf Minuten ohne Fragen.
Kurz gesagt: In Narva musst du mit Stunden in der Schlange und möglicherweise einer kurzen Befragung rechnen; seltener als in Koidula oder Luhamaa ist es, stundenlang auf den FSB zu warten.
Koidula und Luhamaa: hier musst du damit rechnen
An den beiden südestnischen Übergängen (Koidula–Kunitschina Gora Richtung Pskow und Luhamaa–Schumilkino) ist das Muster am deutlichsten. Alle westlichen Leser, die dort einreisten, wurden befragt: ein Spanier, ein Schwede, zwei Franzosen, ein Italiener. Auf Telegram schrieb ein Fahrgast des Baltic Shuttle diesen Oktober, dass in Kunitschina Gora alle Ausländer aus dem Bus zur Befragung gerufen wurden, und im August stand in Luhamaa ein Bus mit rund zwölf EU-Pässen zwölf Stunden auf der russischen Seite, bis alle Befragungen erledigt waren.
Die Befragung selbst kann fünf Minuten dauern; endlos ist das Warten, bis du dran bist. Ein spanischer Leser, der im August 2026 über Koidula einreiste, verbrachte elf Stunden an der Grenze: Die russische Seite ließ die Russen durch und hielt alle anderen zurück. Man fragte ihn, ob er ukrainische Freunde habe, sah WhatsApp, Telegram, Anrufe und Fotos gründlich durch, und als man Chats mit ukrainischen Schülern und einen Anruf beim russischen Konsulat fand, zog sich die Befragung mit Fragen zu seinem Beruf und seiner russischen Frau in die Länge. Er kam rein. Ein Franzose musste in Luhamaa ein Blatt zur Ukraine ausfüllen und erklären, warum er fünf Touristenvisa hintereinander hatte; seine Freundin in Moskau wurde um fünf Uhr morgens angerufen, um zu prüfen, wo er übernachten würde.
Interessanterweise gibt es auf Telegram Estinnen, Litauerinnen und Lettinnen mit E-Visum oder Aufenthaltstitel, die in Koidula ohne Befragung in unter einer Stunde durchkamen. Der Filter scheint eher auf die zu zielen, die von weiter her kommen, als auf die Nachbarn.
Wenn du mit dem Bus fährst, denk daran: Der Bus wartet nicht immer auf dich. Es gibt Berichte von Bussen, die fünf Fahrgäste zurückließen, und von Lesern, die ihren Bus verpassten und den nächsten nehmen mussten.
Kaliningrad
An den Übergängen nach Kaliningrad aus Polen und Litauen erwähnen die meisten Leser keine Befragung auf russischer Seite; die Stunden gehen in der Schlange und beim Zoll drauf, so wie bei Dieter, der mit dem Van über Polen kam. Aber es gibt Fälle: Ein britischer Leser im Bus aus Danzig wurde lange auf Russisch zu seinem Leben, seiner Familie, seinen Reisen und der Geschichte des Konflikts in der Ukraine befragt, und man sah sich seine Fotos an. Er verpasste den Bus. In Tschernyschewskoje sagte man einem Deutschen, man befrage ihn, „weil Sie zum ersten Mal über diesen Übergang kommen“ (insgesamt eine Stunde), und ein EU-Paar verbrachte dort vier Stunden, inklusive Kontrolle beider Handys. Und im Juli 2025 wurden in einem Bus aus Danzig ein paar Amerikaner in Mamonowo festgehalten, während die Italiener und Spanier aus demselben Bus problemlos durchkamen.
Lettland
An den lettischen Übergängen (Terehova–Buratschki und Grebneva–Ubylinka) ist die Wartezeit auf russischer Seite lang und die Kontrolle gründlich. Ein Franzose, der zweimal mit einem ausgebauten Van einreiste, beschreibt Durchsuchung mit Hund, Handykontrolle, Fragebogen, Bargeldanmeldung und Röntgen des Fahrzeugs: jedes Mal vier bis sechs Stunden. Miki, ein mit einer Russin verheirateter Ecuadorianer, bekam viele Fragen gestellt, sein Handy wurde eine Stunde lang mitgenommen, und danach kam die Befragung. In der Telegram-Gruppe Россия–Эстония Граница berichtete ein Fahrgast im Juni 2026, dass in einem Bus, der über Buratschki einreiste, acht oder neun Personen zur Befragung mussten, manche sogar dreimal, und sie zehn Stunden auf der russischen Seite verbrachten. Wenn du mit dem Bus Riga–Moskau fahren willst, behalte das im Hinterkopf.

Upper Lars, aus Georgien
In Upper Lars scheint der entscheidende Faktor zu sein, als einziger Ausländer in einer Marschrutka voller Russen zu sitzen. Ein spanischer Leser kam so im Juli 2026 mitten in der Nacht an: Man schickte ihn in einen Raum, befragte ihn etwa 15 Minuten mit einem Übersetzungs-Tablet und behielt sein Handy weitere 20 Minuten. Insgesamt eine Stunde; der Rest des Kleinbusses war schon weg. Italiener mit einem Van beschreiben einen langen, gründlichen Übertritt mit Fragen, Formularen und Fahrzeugkontrolle. Auf Telegram berichten hier vor allem in der Krim oder der Ukraine geborene Russen von Befragungen, mit bis zu einer Stunde Kontrolle von Telegram und Kontakten.
Norwegen und Belarus
In Storskog–Borisoglebsk kamen die beiden Leser, die mir geschrieben haben, ohne Fragen durch: ein Italiener mit dem Shuttle Kirkenes–Murmansk, „keine Gepäckkontrolle, keine Fragen, keine Kontrolle des Handys“, und ein Norweger, der am Ende mit den Grenzbeamten über seinen Cadillac von 1991 plauderte. Auf Telegram gibt es vereinzelt Doppelstaatler, die dort 2025 befragt wurden.
Zwischen Belarus und Russland gibt es für Bürger beider Länder grundsätzlich keine Grenzkontrolle, aber als Ausländer mit E-Visum kannst du dort nicht einreisen: Der FSB holte Nicolas und seine Partnerin, beide Franzosen, in Smolensk aus dem Zug Minsk–Moskau und schickte sie nach Minsk zurück. Sie waren freundlich, ließen die beiden aber nicht weiterfahren. Es ist einer der drei Fälle von Einreiseverweigerung, die ich habe, und er hatte nichts mit der Befragung zu tun: Es ging um das Visum.
Dein Pass und dein Profil: genauso wichtig wie der Übergang, oder wichtiger
Über den Übergang hinaus tauchen unter den Befragten bestimmte Profile immer wieder auf:
- Briten, Amerikaner und Kanadier. Das ist das deutlichste Muster nach Nationalität. Eine 19-jährige Britin verbrachte über vier Stunden in Wnukowo; ein anderer Brite rechnete bei seiner vierten Reise schon fest damit, drei Stunden festgehalten zu werden; ein Amerikaner schrieb auf Telegram, dass er und zwei Freunde bei drei von vier Einreisen herausgewunken wurden, immer mit Handykontrolle. Sie selbst führen es darauf zurück, dass sie aus einem „unfreundlichen“ Land kommen. Trotzdem gibt es Amerikaner, die in zehn Minuten durch Pulkowo kamen.
- Jede Verbindung zur Ukraine. Dort geboren zu sein, ukrainische Stempel, Kontakte mit der Vorwahl +380 oder Chats mit Ukrainern. Ein in der Ukraine geborener spanischer Leser hatte im Januar 2026 in Wnukowo eine schnelle Zusatzkontrolle; im Juni war der Raum am selben Flughafen viel voller, und man verweigerte ihm ohne Begründung die Einreise. Er flog mit dem nächsten Flug zurück nach Spanien.
- Russischer Partner oder russische Familie. Paradoxerweise landen gerade Menschen mit Bindungen an Russland oft in der Befragung. Ein schwedischer Leser, der mit einer Russin verheiratet ist, erzählt, dass er seit Mitte 2026 bei jeder Ein- und Ausreise befragt wird, ein bis drei Stunden, immer professionell.
- Viele Reisen hintereinander oder eine private Einladung. Einen Italiener fragte man bei den ersten beiden Einreisen nichts; bei der dritten wollte man wissen, warum er so oft nach St. Petersburg reise und was er vom Konflikt halte. Mit Touristenvisa am laufenden Band oder einer privaten Einladung musst du damit rechnen, dass der Russe überprüft wird, der dich einlädt.
- Der einzige Ausländer im Bus, in der Marschrutka oder im Flugzeug zu sein. Das macht dich sichtbar.
- Russisch sprechen. Das bewahrt dich nicht davor: Als Shea, ein Kanadier, sagte, er spreche „ein bisschen“, wurde die ganze Befragung auf Russisch geführt. Sein Tipp: Wenn dein Niveau niedrig ist, sag das und bitte um Englisch.
Was keine Rolle zu spielen scheint: die Art des Visums. Es gibt Befragte und Nicht-Befragte sowohl mit E-Visum als auch mit regulärem Visum. Und in den Berichten deutet nichts darauf hin, dass gezielt ausländische Männer im wehrfähigen Alter herausgepickt werden.
Was gefragt wird
Die Fragen wiederholen sich von Bericht zu Bericht stark. Ungefähr nach Häufigkeit:
- Zweck der Reise, wohin du fährst, wo du übernachtest und wie viele Tage du bleibst.
- Dein Beruf, dein Studium und manchmal, was deine Eltern oder dein Partner machen.
- Wie viel Geld du dabeihast und woher es stammt. Da ausländische Visa- und Mastercard-Karten in Russland seit März 2022 nicht funktionieren, reisen fast alle mit Bargeld, die Frage ist also normal.
- Ob du schon einmal in Russland warst und, wenn du oft fährst, warum.
- Ob du Familie oder Freunde in Russland und in der Ukraine hast oder in der Ukraine warst.
- Ob du Wehrdienst geleistet hast oder Verbindungen zu einer Armee hast.
- Was du von der „militärischen Spezialoperation“ oder dem Konflikt hältst. Das kommt in einigen Berichten vor, aber nicht in den meisten.
Keiner der Leser, die mir geschrieben haben, erinnert sich an Fragen zur Krim oder zu den Sanktionen. Und der Ton ist, von Ausnahmen abgesehen, korrekt: Mehrere Leser verwenden Worte wie „freundlich“ oder „professionell“, auch wenn die Atmosphäre einschüchtert.
Wird bei der Befragung dein Handy kontrolliert?
Wenn es dich trifft, ziemlich wahrscheinlich: Bei zwei von drei befragten Lesern wurde das Handy angeschaut. Außerhalb der Befragung fast nie. Was angeschaut wird, laut den Berichten:
- Die Fotogalerie, am häufigsten, manchmal mit den Standortdaten.
- WhatsApp und Telegram: Chats und die Kanäle, denen du folgst.
- Die Kontakte, vor allem ukrainische Nummern oder slawisch klingende Namen.
- Die Anrufliste und die installierten Apps.
- IMEI und Seriennummer, die auch dann notiert werden, wenn sonst nichts angeschaut wird.
Manchmal sehen sie es in zwei Minuten vor deinen Augen durch; manchmal nehmen sie es 20 Minuten bis eine Stunde mit, in manchen Fällen auch den Laptop. Was das Gesetz sagt, was passiert, wenn du dich weigerst, es zu entsperren, und wie du es vor der Reise vorbereitest, steht im Artikel darf die russische Grenzkontrolle dein Handy durchsuchen.
Wie lange es dauert und was danach passiert
Das Gespräch selbst dauert meist 5 bis 30 Minuten. Was alles in die Länge zieht, ist das Warten davor und danach: am Flughafen ein bis vier Stunden in den Fällen, die ihr mir erzählt habt; an den Übergängen aus Estland und Lettland zwei bis zwölf Stunden auf russischer Seite, weil ein einziger Beamter viele Leute befragen muss. Wenn du danach einen Inlandsflug oder einen Zug hast, plane mindestens vier bis fünf Stunden Puffer ein. Ein französischer Leser hätte nach zwei Stunden Festhalten in Moskau fast seinen Flug nach Krasnojarsk verpasst.
Das Ende ist in der überwältigenden Mehrheit der Fälle dasselbe: Du bekommst deinen Pass zurück und bist drin. Von den über 90 Lesern wurde dreien die Einreise verweigert: dem französischen Paar im Zug bei Smolensk (wegen des Visums), dem in der Ukraine geborenen Leser in Wnukowo und dem Angehörigen einer britischen Leserin, dem man vorwarf, für den MI5 zu arbeiten, und der mit dem nächsten Flug zurückgeschickt wurde. Das russische Recht erlaubt es, die Einreise aus Gründen der Staatssicherheit ohne Begründung zu verweigern, und auch, wenn du falsche Angaben zu dir oder zum Reisezweck machst.
Und es passiert nicht immer bei der Einreise: Manche Leser hatten ihre Befragung bei der Ausreise. Ein französisches Paar verbrachte am Flughafen Irkutsk 45 Minuten mit Militärs in einem Raum, mit Handykontrolle und Fragen zur Ukraine, nachdem es über Pulkowo ganz ohne Befragung eingereist war.
Wie du dich vorbereitest, damit es schnell geht
Das sind die Tipps, die bei denen, die es erlebt haben, am häufigsten auftauchen:
- Lüg nicht, auch nicht bei Details. Die Fragen werden wiederholt, manchmal von einem zweiten Beamten, gerade um Widersprüche zu finden. Falsche Angaben sind ein gesetzlicher Grund, dir die Einreise zu verweigern.
- Antworte kurz und ruhig. Tourismus, diese Daten, dieses Hotel. Politische Meinungen musst du nicht äußern; wenn du gefragt wirst, eine kurze, neutrale Antwort.
- Lass dein Handy wie ein normales Handy aussehen, weder leer noch voller Dinge, die du erklären müsstest. Mehrere Leser haben vorher ukrainische Kontakte, Fotos von Waffen oder Militärausrüstung, Twitter oder ihr VPN gelöscht und empfehlen das; mach es zu Hause, nie in der Schlange.
- Schreib dir deine IMEI auf (wähle *#06# auf deinem Handy), falls sie im Fragebogen verlangt wird, und nimm einen Kuli mit.
- Nimm Wasser, etwas zu essen, eine Powerbank und einen Plan B mit, wenn du mit dem Bus fährst: Er wartet nicht immer.
- Sag jemandem Bescheid, wo und wann du über die Grenze gehst, damit sich niemand Sorgen macht, wenn du stundenlang nicht erreichbar bist.
Wie es diese Woche an den einzelnen Übergängen aussieht, erfährst du in den Telegram-Gruppen, in denen Reisende in Echtzeit über Wartezeiten und Befragungen berichten: Warteschlangen und Wartezeiten an Russlands Grenzen.
Bist du vor Kurzem nach Russland eingereist und wurdest befragt, oder bist du ohne eine einzige Frage durchgekommen? Jeder neue Bericht hilft, diese Muster genauer zu machen: erzähl mir hier von deiner Erfahrung.
Häufige Fragen
Befragt der FSB jeden Ausländer, der nach Russland einreist?
Nein. Die meisten europäischen Touristen, die nach St. Petersburg fliegen, sind in wenigen Minuten durch die Passkontrolle. Die Befragung ist an den südestnischen Übergängen (Koidula und Luhamaa) fast sicher, an der lettischen Grenze und an regionalen Flughäfen häufig und wahrscheinlicher, wenn du Brite, Amerikaner oder Kanadier bist oder eine Verbindung zur Ukraine hast.
Was wird bei der Befragung an der russischen Grenze gefragt?
Vor allem der Zweck der Reise, wo du übernachtest, dein Beruf oder Studium, wie viel Geld du dabeihast, ob du schon in Russland warst, ob du Familie oder Freunde in Russland oder der Ukraine hast und ob du Wehrdienst geleistet hast. Manchmal wird gefragt, was du vom Konflikt in der Ukraine hältst.
Wie lange dauert die Befragung an der russischen Grenze?
Das Gespräch selbst dauert meist 5 bis 30 Minuten, aber mit der Wartezeit davor kannst du am Flughafen ein bis vier Stunden und an den Landübergängen aus Estland und Lettland zwei bis zwölf Stunden verbringen.
Wird mein Handy kontrolliert, wenn ich befragt werde?
Ziemlich wahrscheinlich: Bei zwei von drei befragten Lesern wurde das Handy angeschaut, vor allem Fotogalerie, WhatsApp, Telegram und Kontakte. Außerhalb der Befragung sind Handykontrollen selten.
Spielt es eine Rolle, ob ich ein E-Visum oder ein reguläres Visum habe?
In den Berichten ist kein Unterschied zu erkennen: Es gibt befragte und nicht befragte Reisende mit beiden Visumarten. Viel wichtiger sind der Übergang, die Nationalität und das Profil des Reisenden.
Kann mir nach der Befragung die Einreise verweigert werden?
Ja, das russische Recht erlaubt es, die Einreise aus Sicherheitsgründen ohne Begründung zu verweigern, ebenso bei falschen Angaben. Aber es ist selten: Von über 90 Lesern wurde nur dreien die Einreise verweigert, und einer dieser Fälle lag daran, dass ein E-Visum auf einer Route aus Belarus genutzt wurde, wo es nicht gilt.
Gibt es auch bei der Ausreise aus Russland eine Befragung?
Manchmal. Einige Leser, die problemlos eingereist waren, wurden bei der Ausreise befragt und ihr Handy kontrolliert, zum Beispiel am Flughafen Irkutsk oder im Hafen von Wladiwostok.
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Irena DomingoÜber mich
Ich wurde in Russland geboren. Ich bin zwischen zwei Welten aufgewachsen: Mein Vater war Russe, meine Mutter Spanierin, Nachfahrin der „Niños de Rusia“, der baskischen Kinder, die während des Spanischen Bürgerkriegs in die UdSSR evakuiert wurden. Ich habe über 30 Jahre als Übersetzerin, Dolmetscherin und Russischlehrerin gearbeitet, und seit 2013 schreibe ich diesen Blog, um Reisenden zu helfen, Russland mit praktischen und stets aktuellen Informationen zu entdecken. Autorin des Russland Reiseführers. Wenn dieser Blog dir bei der Reiseplanung geholfen hat, kannst du mir einen Kaffee ausgeben ❤️.
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