Mit deutschem Reisepass brauchst du für China kein Visum mehr, solange dein Aufenthalt 30 Tage nicht überschreitet. Die Regelung gilt für geschäftliche und touristische Reisen, Besuchsreisen, akademischen und kulturellen Austausch sowie Transit — und sie läuft bis zum 31. Dezember 2026. Früher war die Beantragung ein teures, langwieriges Theater; heute steigst du einfach ins Flugzeug oder in den Zug.
Es gibt allerdings drei Fallstricke, die reihenweise Leute am Flughafen scheitern lassen: nicht jeder deutsche Ausweis reicht (der Kinderreisepass zum Beispiel nicht), es gibt eine Registrierungspflicht innerhalb von 24 Stunden, die viele visumfreie Reisende gar nicht auf dem Schirm haben, und an chinesischen Flughäfen werden grundsätzlich keine Visa nachträglich ausgestellt — wer die Voraussetzungen nicht erfüllt, wird zurückgewiesen. Ich gehe alles der Reihe nach durch, auch für den Fall, dass du mit der Transmongolischen Eisenbahn aus Russland oder der Mongolei einreist.
Die visumfreie Einreise: wer, wie lange, wofür
China hat die einseitige Visumbefreiung im November 2023 eingeführt, um den Tourismus wieder anzukurbeln, und seitdem mehrfach ausgeweitet und verlängert. Für deutsche Staatsangehörige gilt sie aktuell bis zum 31. Dezember 2026. Die Bedingungen sind überschaubar:
- Dein Aufenthalt dauert höchstens 30 Tage.
- Der Reisezweck ist geschäftlich oder touristisch, ein Besuch, akademischer oder kultureller Austausch oder Transit. Arbeiten und Studieren fällt ausdrücklich nicht darunter.
- Du reist mit einem gewöhnlichen Reisepass. Dazu gleich mehr, denn genau hier liegt die häufigste böse Überraschung.
Österreichische Staatsangehörige sind ebenfalls befreit, zu denselben Bedingungen und mit derselben Frist — das bestätigt das österreichische Außenministerium. Wenn du einen anderen Pass hast, prüf es vorher: die Liste umfasst inzwischen über 45 Länder, aber sie ist nicht vollständig deckungsgleich mit der EU.
Und eine ehrliche Warnung: Das ist eine einseitige, befristete Maßnahme. Bisher hat China sie jedes Jahr verlängert, aber wenn deine Reise nach dem 31. Dezember 2026 stattfindet, prüf den Stand vorher bei der chinesischen Botschaft in Berlin, die auf ihrer Seite auch eine FAQ zur visumfreien Einreise und Beispielfälle für nicht visumfreie Reisezwecke veröffentlicht.
Welche Reisedokumente gelten — und welche nicht
Das ist der Abschnitt, den ich dir wirklich ans Herz lege, weil er Familien regelmäßig kalt erwischt. Die Visumbefreiung gilt nicht für Reisende mit deutschem Dienstpass, mit vorläufigem Reisepass oder mit einem Reiseausweis als Passersatz. Konkret sieht es so aus:
- Reisepass: ja, auch visumfrei.
- Vorläufiger Reisepass: ja, aber nur mit Visum.
- Kinderreisepass: ja, aber nur mit Visum. Wenn dein Kind nur einen Kinderreisepass hat, müsst ihr also für das Kind ein Visum beantragen, auch wenn ihr Eltern visumfrei einreist.
- Personalausweis: nein, auch nicht der vorläufige.
Bei der Gültigkeitsdauer gibt es einen feinen, aber praktischen Unterschied: Reist du mit Visum ein, muss der Pass bei der Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein. Reist du visumfrei ein, genügt eine Gültigkeit für den Zeitraum deines geplanten Aufenthalts.
Einreiseerklärung, Fingerabdrücke und die 24-Stunden-Registrierung
Drei Formalitäten, die unabhängig davon anfallen, ob du ein Visum hast oder nicht.
- Einreiseerklärung. Sie ist Pflicht. Das Auswärtige Amt empfiehlt, das elektronische Formular der chinesischen Einwanderungsbehörde NIA zu nutzen — seit November 2025 ersetzt die digitale Einreisekarte weitgehend das alte Papierformular und beschleunigt die Abfertigung.
- Fingerabdrücke. An allen für Ausländer geöffneten Grenzen werden nach und nach Scanner eingeführt. Grundsätzlich müssen alle Ausländer zwischen 14 und 70 Jahren ihre Fingerabdrücke abgeben.
- Registrierung binnen 24 Stunden. Das ist die Pflicht, die visumfreien Reisenden am häufigsten durchrutscht. Nach jeder Einreise musst du dich innerhalb von 24 Stunden beim zuständigen Public Security Bureau (Entry-Exit-Administration) anmelden. Wohnst du im Hotel, erledigt das Hotel es beim Check-in. Übernachtest du privat, in einer Ferienwohnung oder bei Freunden, musst du selbst ran — je nach Ort persönlich, online oder über die App bzw. das Miniprogramm „12367“. In Peking und Shanghai geht es über die Website des jeweiligen Public Security Bureaus.
Nimm den letzten Punkt ernst: Ein Verstoß wird protokolliert und kann zu Befragungen, Geldstrafen und später zu einer Einreiseverweigerung oder Visumsversagung führen.
Wann du doch ein Visum brauchst — und wie du es bekommst
Ein Visum brauchst du, wenn dein Aufenthalt über 30 Tage hinausgeht, wenn du in China arbeiten oder studieren willst, oder wenn dein Reisedokument nicht unter die Befreiung fällt. Beantragt wird es persönlich beim Visa Application Service Center, mit Abgabe der Fingerabdrücke; dafür fallen zusätzliche Gebühren an. In Deutschland gibt es diese Zentren unter anderem in Berlin, Frankfurt, München, Hamburg und Düsseldorf — zuständig ist das Zentrum in deinem Konsularbezirk.
Zwei Regeln, an denen viele scheitern:
- Antrag nur im Heimatland. Nach chinesischem Einreiserecht muss der Antrag im Land der Staatsangehörigkeit oder des gewöhnlichen Aufenthalts gestellt werden, und dieser Aufenthalt muss nachgewiesen werden. Ein Ausweichen in Drittländer — auch Hongkong — funktioniert nur, wenn du dort dauerhaft und legal lebst. Unterwegs auf einer Fernreise mal eben ein China-Visum besorgen: geht nicht.
- Kein Visum am Flughafen. Wer ohne gültiges Visum ankommt und die Voraussetzungen für die visumfreie Einreise nicht erfüllt, bekommt in aller Regel keins vor Ort, sondern wird zurückgewiesen.
Achtung noch bei kurzen Arbeitseinsätzen: Die Pflicht zur Arbeitserlaubnis wurde deutlich ausgeweitet. Tätigkeiten, die früher mit Geschäftsreisevisum (Typ M) möglich waren — Forschung, sportliche Trainingsaufenthalte, Dreharbeiten, Montage- und Servicearbeiten, Baustellenaufsicht — brauchen heute oft ein Arbeitsvisum (Typ Z). Klär die richtige Kategorie vorher mit deinem Ansprechpartner in China.
Hongkong, Macau und Hainan
Nach Hongkong und Macau kommst du als deutsche Staatsangehörige ohnehin visumfrei. Wichtig ist aber, was das rechtlich bedeutet: Beide gelten nach chinesischem Ein- und Ausreisegesetz als Ausland. Wenn du vom Festland aus dorthin fährst, reist du also aus China aus. Mit einem Visum ist die Wiedereinreise nur möglich, wenn es für zwei- oder mehrfache Einreisen ausgestellt wurde — denk beim Antrag daran, wenn ein Abstecher nach Hongkong geplant ist. Reist du visumfrei, klär die Wiedereinreise sicherheitshalber vorab mit der chinesischen Botschaft in Berlin.
Die Insel Hainan hat noch eine eigene Regelung: Auch dorthin kannst du unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 30 Tage visumfrei einreisen, allerdings mit vorheriger Registrierung durch ein chinesisches Reisebüro und der Auflage, direkt über einen Drittstaat oder Hongkong ein- und auszureisen.
Mit dem Zug aus Russland oder der Mongolei
Wenn du die Transmongolische oder die Transmandschurische Route fährst, läuft die China-Frage anders als bei einem reinen Flugurlaub. Der wichtigste Punkt zuerst: Besorg alles, was du an Visa brauchst, in Deutschland. Nach der oben genannten Regel muss der Visumantrag im Heimatland gestellt werden — die chinesische Botschaft in Ulan Bator stellt Durchreisenden also kein Visum aus. Dasselbe gilt für Russland: Die russischen Konsularstellen in Ulan Bator bedienen keine Ausländer ohne Wohnsitz in der Mongolei.
Praktisch heißt das: Bleibst du in China unter 30 Tagen und reist du zu einem der befreiten Zwecke, brauchst du für China nichts vorzubereiten außer der Einreiseerklärung. Für die anderen beiden Länder auf der Strecke schon:
- Russland: Visum ist Pflicht, entweder das elektronische E-Visum oder das reguläre. Welches für dich passt, klärt der Überblick zu der Frage, welches Visum du für Russland brauchst.
- Mongolei: für Deutsche visumfrei bis 30 Tage, und zwar auch für Geschäftsreisen. Die Details stehen im Artikel darüber, ob du ein Visum für die Mongolei brauchst.
Zur Strecke selbst: Es gibt eine wöchentliche Direktverbindung zwischen Ulan Bator und Peking, und an der mongolisch-chinesischen Grenze ist Zamyn Uud der Bahnübergang, den Ausländer benutzen dürfen. Rechne dort mit einigen Stunden Aufenthalt, weil die Spurweiten unterschiedlich sind und die Waggons umgesetzt werden müssen. Die ganze Planung Schritt für Schritt findest du im Leitfaden zur Transsibirischen und Transmongolischen Eisenbahn, und den Stand der Grenzübergänge auf russischer Seite in der Übersicht zu den Grenzen Russlands.
Was du sonst noch wissen solltest
- Bezahlen. Rechne nicht damit, mit deiner Karte durchzukommen. Internationale Kreditkarten werden vielerorts nicht akzeptiert, die deutsche Girocard funktioniert an Automaten nur sehr eingeschränkt, und der Alltag läuft über Alipay oder Weixin Pay. Halt trotzdem Bargeld vor.
- Führerschein. Weder der deutsche noch der internationale Führerschein wird in China anerkannt. Selbst fahren ist also keine Option, solange du keine chinesische Fahrerlaubnis hast.
- Internet. Viele gewohnte Dienste sind gesperrt, und die Nutzung von VPN-Diensten zur Umgehung der Zensur ist in China verboten. Das Auswärtige Amt rät ausdrücklich davon ab — anders als bei einer Russlandreise ist das hier kein Ratschlag, den ich dir gegen den Strich empfehlen würde.
- Tibet und Xinjiang. Für die Autonome Region Tibet brauchst du zusätzlich ein Tibet Travel Permit, das nur über ein akkreditiertes Reisebüro und in der Regel nur für Gruppen ab fünf Personen beantragt werden kann; die Bearbeitung dauert fünf bis sieben Arbeitstage. In Xinjiang musst du mit deutlich verschärften Kontrollen rechnen.
- Versicherung. Es gibt in China keine niedergelassenen Ärzte, die Versorgung läuft über Krankenhäuser, und die Sprachbarriere ist das Hauptproblem. Eine Auslandskranken- und Rückholversicherung gehört dazu. Wenn du China mit Russland kombinierst, nimm eine Police für die ganze Strecke — wie das geht, steht in meinem Leitfaden zur Reiseversicherung für Russland.
Häufige Fragen zum Visum für China
Brauchen Deutsche ein Visum für China?
Nein, wenn dein Aufenthalt höchstens 30 Tage dauert und du zu einem der befreiten Zwecke reist: geschäftlich, touristisch, als Besuch, zum akademischen oder kulturellen Austausch oder im Transit. Die Regelung gilt bis zum 31. Dezember 2026. Für längere Aufenthalte sowie zum Arbeiten oder Studieren brauchst du weiterhin ein Visum.
Gilt die Visumbefreiung auch mit Kinderreisepass?
Nein. Mit einem Kinderreisepass ist die Einreise nur mit Visum möglich, ebenso mit einem vorläufigen Reisepass oder einem Reiseausweis als Passersatz. Visumfrei einreisen kannst du nur mit einem regulären Reisepass. Der Personalausweis wird gar nicht akzeptiert.
Muss ich mich in China anmelden, wenn ich visumfrei einreise?
Ja. Alle Ausländer müssen sich nach jeder Einreise innerhalb von 24 Stunden beim zuständigen Public Security Bureau anmelden, auch bei visumfreiem Aufenthalt. Im Hotel übernimmt das die Unterkunft. Bei privater Unterbringung musst du es selbst tun, persönlich, online oder über die App 12367. Ein Verstoß kann Geldstrafen und spätere Einreiseverweigerungen nach sich ziehen.
Kann ich das China-Visum unterwegs beantragen, zum Beispiel in Ulan Bator?
Nein. Nach chinesischem Einreiserecht muss der Antrag im Land der Staatsangehörigkeit oder des gewöhnlichen Aufenthalts gestellt werden. Ein Ausweichen in Drittländer, auch Hongkong, ist nur bei dauerhaftem legalem Aufenthalt dort möglich. Wenn du auf der Transmongolischen Route ein China-Visum brauchst, besorg es vor der Abreise in Deutschland.

