Sternenstadt Moskau: Wie du das Kosmonauten-Trainingszentrum besuchst

25 Kilometer nordöstlich von Moskau liegt ein Ort mit rund 7.600 Einwohnern, in dem Juri Gagarin trainierte, um als erster Mensch die Erde zu umkreisen, in dem Walentina Tereschkowa ihren Flug vorbereitete und in dem auch heute noch alle Kosmonauten, die zur Internationalen Raumstation reisen, monatelang lernen, im Weltraum zu überleben. Er heißt Sternenstadt (Звёздный городок auf Russisch, Swjosdny Gorodok, Star City auf Englisch) und obwohl er weiterhin ein abgeschlossenes Sperrgebiet ist, kannst du ihn besuchen —auch als ausländischer Tourist—, wenn du dich rechtzeitig darum kümmerst.

In diesem Guide erkläre ich dir, was dieser Ort genau ist, wie du dorthin kommst, wie du als ausländischer Tourist die Genehmigung erhältst, was du drinnen siehst und was Besucher dazu sagen. Wichtiger Hinweis: Der Antrag für Ausländer muss mit mindestens 45 bis 60 Werktagen Vorlauf eingereicht werden (zwischen 2 und 3 Kalendermonaten). Wenn du in drei Wochen nach Moskau fährst, musst du diesmal darauf verzichten.

Luftaufnahme des Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrums in der Sternenstadt

1. Was ist die Sternenstadt

Die Sternenstadt ist ein 3,2 km² großer Ort, der 2009 offiziell zu einer ZATO (Закрытое административно-территориальное образование) erklärt wurde — einer russischen Rechtsfigur, die sich als «geschlossenes Verwaltungsgebiet» übersetzen lässt. Bis in die 1990er Jahre tauchte sie nicht einmal auf Karten auf: 1960 als «Possjolok Seljony» (Grünes Dörfchen) gegründet, hieß sie später Щёлково-14 und Военный городок №1 (Militärstadt Nr. 1) und erst im September 1968 erhielt sie offiziell den Namen, unter dem wir sie heute kennen.

Hier befindet sich das Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum (russische Abkürzung ЦПК, englische GCTC), die Einrichtung, die seit den 1960er Jahren alle Kosmonauten ausbildet, die an Bord der Sojus-Raumschiffe fliegen. Hier wurden unter anderem Gagarin selbst, Walentina Tereschkowa, Alexei Leonow (erster Außenbordeinsatz der Geschichte), Sergej Krikaljow (historischer Rekord an Stunden im Orbit) und in jüngerer Zeit auch die Astronauten der NASA und ESA trainiert, die vor jeder ISS-Mission gemeinsam mit ihren russischen Kollegen üben.

Offizielle Flagge der Sternenstadt (Star City Moscow)
Flagge der Sternenstadt

Die offizielle Website ist auf Russisch (gctc.ru) und auf Englisch (gctc.su) verfügbar, wobei die englische Version seit Jahren nicht aktualisiert wurde und die zuverlässigsten praktischen Informationen auf Russisch zu finden sind.

2. Wo sie liegt und wie du von Moskau aus hinkommst

Die Sternenstadt liegt 25 km nordöstlich von Moskau, in der Oblast Moskau, an der Schtschjolkowskoje-Schnellstraße (Щёлковское шоссе). Du hast drei sinnvolle Möglichkeiten, dorthin zu gelangen:

  • Mit Auto oder Privattaxi: 30 bis 45 Minuten vom Moskauer Stadtzentrum ohne Verkehr. Das ist die bequemste Variante, vor allem wenn ihr in einer kleinen Gruppe seid. Im Ort musst du direkt zum КПП (Kontrollposten) fahren; ohne nominellen Passierschein kommst du nicht hinein.
  • Mit dem Vorortzug (Elektritschka): Er fährt vom Jaroslawler Bahnhof (Ярославский вокзал) in Richtung Monino oder Frjasewo ab. Du steigst an der Station Ziolkowskaja (Циолковская) aus und läufst noch 7 bis 10 Minuten zu Fuß bis zum КПП Nr. 3. Gesamtdauer ab Moskau: rund 1 Stunde 10 Minuten.
  • Mit der Marschrutka 380 ab der Metrostation Schtschjolkowskaja (blaue Linie, Ausgang Richtung Busbahnhof). Etwa 40 Minuten.

Für ausländische Touristen ist es am praktischsten, den Reiseveranstalter auch den Transfer organisieren zu lassen: Fast alle Gruppentouren ab Moskau beinhalten den Bus hin und zurück und kümmern sich um den gesamten bürokratischen Teil des Passierscheins.

3. Kannst du sie als Ausländer besuchen?

Ja, aber unter Bedingungen. Die Sternenstadt bleibt ein Sicherheitsobjekt mit Sonderregime, und du kannst nicht auf eigene Faust eintreten. Du brauchst einen nominellen Passierschein, der ausschließlich über einen autorisierten Reiseveranstalter oder durch direkte Anfrage per E-Mail an das Zentrum (info@gctc.ru) ausgestellt wird. Das sind die wichtigsten Punkte des Verfahrens:

  • Antrag mit vollständigen Daten: 45 bis 60 Werktage vor dem Termin. In der Praxis sind das 2 bis 3 Kalendermonate Vorlauf. Manche Veranstalter wie zvezdnyigorodok.ru verlangen 45 Tage für Ausländer; das offizielle Tourismusportal der Region Moskau spricht von 60.
  • Benötigte Daten: vollständiger Name, Geburtsdatum, Reisepassnummer, Staatsangehörigkeit und Wohn- oder Meldeort.
  • Am Tag des Besuchs: Bring deinen Reisepass im Original mit (keine Kopien). Ohne Reisepass kommst du nicht hinein.
  • Mindestalter: Kinder ab 12 Jahren in Schulgruppen, ab 7 Jahren in Begleitung der Eltern.
  • Sprache: Auf Anfrage gibt es englischsprachige Führer, sie sind aber nicht immer verfügbar. Für eine Führung auf Deutsch musst du fast sicher einen eigenen Dolmetscher mitbringen (die meisten deutschsprachigen Russland-Spezialagenturen organisieren das).

⚠️ Achtung: Viele günstige russische Anbieter (jene mit Ausflügen ab 3.000 Rubel für russische Gruppen) akzeptieren keine Ausländer. Wenn du auf deren Website «Граждане иностранных государств не допускаются» (sinngemäß «ausländische Staatsbürger nicht zugelassen») liest, suche dir einen anderen. Anbieter, die mit Ausländern arbeiten, sind unter anderem auf Raumfahrttourismus spezialisierte Agenturen wie Страна Космического Туризма (Land des Weltraumtourismus) oder Tour in City.

In der Praxis ist der effektivste Weg für ausländische Touristen, den Besuch als Teil einer kompletten geführten Tour ab Moskau mit einer lokalen Agentur zu buchen, die sich um den gesamten Papierkram und den Transfer im selben Paket kümmert. Wenn du außerdem weitere Führungen in der Hauptstadt planst, lohnt es sich, alles über dieselbe deutschsprachige Russland-Agentur zu bündeln.

4. Was du während der geführten Tour siehst

Der Standardausflug dauert zwischen 1 Stunde 30 Minuten und 2 Stunden 30 Minuten, abhängig vom Veranstalter und der Anzahl der eingeschlossenen Objekte. Die klassische Route führt zu fünf Stationen innerhalb des technischen Bereichs des Zentrums:

Modell der Raumstation Mir im Maßstab 1:1 in der Sternenstadt
Modell der Raumstation Mir in Originalgröße
  1. Halle der Sojus-Simulatoren. Funktionsfähige Repliken in Originalgröße des Sojus-TMA-Raumschiffs, in denen Kosmonauten Start, Andocken an die ISS und Wiedereintritt üben. Mit etwas Glück siehst du eine Mannschaft beim Training.
  2. Halle der Raumstation Mir. Das Highlight des Besuchs: ein 1:1-Modell der legendären Orbitalstation Mir, in der zwischen 1986 und 2001 mehr als 100 Kosmonauten und Astronauten aus 12 Ländern lebten und arbeiteten. Du wirfst einen Blick hinein und verstehst sofort, wie eng der Alltag dort oben war.
  3. Halle des russischen ISS-Segments. Eine Replik des Moduls, in dem die Kosmonauten für ihre sechsmonatigen Missionen auf der Internationalen Raumstation trainieren.
  4. Zentrifuge ЦФ-18. Die weltweit größte Zentrifuge ihrer Kategorie, mit einem 18 Meter langen Arm. Sie simuliert die G-Kraft beim Start und beim Wiedereintritt (bis zu 8 G bei einem Sojus-Flug). Im Zentrum gibt es eigentlich zwei: die ЦФ-7 (kürzer) und die ЦФ-18.
  5. Hydrolabor. Ein 12 Meter tiefes Becken, in dem die Kosmonauten in Druckanzügen trainieren, um Schwerelosigkeit zu simulieren. Hier werden die berühmten Außenbordeinsätze (EVA) geübt.
Hydrolabor des Kosmonautentrainingszentrums zur Simulation der Schwerelosigkeit
Das Hydrolabor: ein 12 Meter tiefes Becken zur Simulation der Schwerelosigkeit

Mit Aufpreis oder in der erweiterten Version können das Planetarium (in dem die Kosmonauten Himmelskartografie studieren), eine Begegnung mit einem pensionierten Kosmonauten, eine Sitzung am Außenbordeinsatz-Simulator «Выход-2» oder das Mittagessen in der Kantine des Zentrums dazugehören. Die Preise variieren stark je nach Format; die aktuellen offiziellen Tarife werden auf gctc.ru veröffentlicht.

⚠️ Wichtig: Das Museum des Zentrums (im Wohnbereich) ist seit Juni 2025 wegen der Renovierung des Hauses der Kosmonauten für die Öffentlichkeit geschlossen. Im Moment konzentriert sich der Besuch auf den technischen Bereich.

5. Jenseits des Zentrums: Was du im Ort selbst sehen kannst

Auch der Wohnbereich der Sternenstadt hat interessante Ecken, die der Führer in der Regel mitnimmt, wenn die Programmplanung es erlaubt:

  • Gagarin-Platz mit dem Denkmal für Juri Gagarin, dem meistfotografierten Punkt des Ortes.
  • Heldenallee (Аллея героев) mit Büsten der bedeutendsten Kosmonauten.
  • Sternensee (Звёздное озеро), ein kleiner waldumgebener See, an dessen Ufer die Verklärungskirche steht.
  • Das Flugzeug MiG-15UTI, ausgestellt neben dem Simulatorgebäude — das Modell, mit dem Gagarin seine Trainingsflüge absolvierte.

Der Ort ist still und sehr grün, ohne Werbeplakate oder Filialketten. Wer ihn besucht, beschreibt ihn oft als sowjetische Zeitkapsel im positiven Sinn: kein Lärm, kein Chaos, viele Bäume, spielende Kinder und ein Gefühl von geschlossener Gemeinschaft, das es im heutigen Russland kaum noch gibt.

6. Was die Besucher sagen

Ich habe Dutzende von Bewertungen auf Yandex Maps, Tripadvisor und in russischen Reiseblogs durchforstet, um dir eine ehrliche Zusammenfassung dessen zu geben, was dich erwartet:

Was am meisten geschätzt wird:

  • Das Mir-Modell in Originalgröße ist mit Abstand das, was am meisten beeindruckt. Fast alle Bewertungen nennen es als den «Wow»-Moment des Besuchs.
  • Die Authentizität des Ortes: Es ist kein Museum, es ist eine in Betrieb befindliche Anlage, in der weiterhin trainiert wird, und das spürt man.
  • Die Professionalität mancher Führer, die manchmal aktive oder pensionierte Kosmonauten sind. Jemandem Fragen stellen zu können, der wirklich im Orbit war, ist etwas, das viele Reisende hervorheben.
  • Es ist ein Besuch, von dem Kinder ab 12 Jahren in der Regel fasziniert sind.

Was am meisten kritisiert wird:

  • Die vorherige Bürokratie und die starren Fristen: keine Änderungen in letzter Minute, keine Namensänderungen.
  • Der Telefonton einiger Verwaltungsbüros: er kann schroff im sowjetischen Stil sein, ohne großes Kümmern um den Kundenservice.
  • Der Faktor Glück: Wenn die Kosmonauten gerade trainieren, können einzelne Hallen ohne Vorankündigung für die Öffentlichkeit gesperrt sein.
  • Die Preise für Ausländer, die deutlich höher liegen als die russischsprachig für lokale Gruppen ausgewiesenen.

7. Plan B, falls die Zeit für den Antrag nicht reicht

Wenn du zu spät merkst, dass der Antrag für Ausländer 2 bis 3 Monate dauert und deine Reise unmittelbar bevorsteht, musst du nicht ganz auf deine Dosis sowjetischer Raumfahrtgeschichte verzichten. In Moskau selbst gibt es zwei Stationen, die einen Teil der Geschichte abdecken und an einem Tag ohne Passierschein machbar sind: das Museum der Kosmonautik neben dem Denkmal für die Eroberer des Weltraums und der Pavillon Kosmos innerhalb des VDNH-Parks mit Wostok-Raketen und der Buran-Raumfähre in Originalgröße. Es ist nicht dasselbe, aber es gibt dir den Kontext und viel Lust, besser vorbereitet zurückzukommen.

Häufig gestellte Fragen zur Sternenstadt

Kann ich die Sternenstadt auf eigene Faust besuchen?

Nein. Es ist ein Sperrgebiet. Du musst im Voraus einen nominellen Passierschein über einen autorisierten Veranstalter oder per E-Mail an info@gctc.ru beantragen. Ohne Passierschein kommst du nicht am Kontrollposten vorbei.

Wie lange im Voraus muss ich als Ausländer reservieren?

Zwischen 45 und 60 Werktage, je nach Veranstalter. In der Praxis mindestens zwei Kalendermonate vor deiner Reise nach Moskau. Manche Veranstalter verlangen 45 Tage; das offizielle Tourismusportal der Region Moskau spricht von 60.

Wie viel kostet der Besuch für Ausländer?

Für Ausländergruppen beginnt der Standardbesuch (ohne Transport oder Privatführer) bei rund 170 USD pro Gruppe von bis zu 15 Personen. Pakete mit Transfer, Führung und Fremdsprache starten in der Regel bei 6.000-7.000 Rubel pro Erwachsenen.

Gibt es Führungen auf Deutsch?

Es ist selten, dass das Zentrum direkt einen deutschsprachigen Führer zuweist. Üblich sind Führungen auf Russisch oder Englisch. Wenn du eine Führung auf Deutsch brauchst, organisieren mehrere deutschsprachige Russland-Spezialagenturen den Besuch mit eigenem Dolmetscher.

Dürfen Kinder mit?

Ja. In Schulgruppen werden Kinder ab 12 Jahren zugelassen. In Begleitung der Eltern ab 7 Jahren. Sie benötigen eine Geburtsurkunde und, im Fall ausländischer Minderjähriger, einen eigenen Reisepass.

Ist das Museum des Zentrums geöffnet?

Nein. Seit Juni 2025 ist das Museum des Kosmonautentrainingszentrums wegen der Renovierung des Hauses der Kosmonauten für die Öffentlichkeit geschlossen. Der aktuelle Besuch konzentriert sich auf den technischen Bereich (Simulatoren, Mir, ISS, Zentrifuge und Hydrolabor).

Hast du die Sternenstadt schon besucht? Wie hast du den Passierschein bekommen und wie war es? Hinterlasse deine Kommentare und Erfahrungen unten.

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